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Dibre Emeth · 1854-01-01 · 5-6 (1854) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
5-6 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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m Frage entschieden verneinen. Was ist der Staat? Gewiß nicht eine tobte, aber kunstreich zusammengesetzte Maschine, welche, durch eine gewisse Kraft in Bewegung gesetzt, nur ihre Bestimmung erfüllt so lange, als die Kraft auf sie wirkt, oder ihr nicht eine andere, größere Kraft entgegentritt. Nein, sondern der Staat ist ein lebendiger Organismus, ein gegliederter Körper, der aus einzelnen Individuen, aus einzelnen vernünftigen Wesen besteht, welche durch bestimmte Gesetze' zu einem Ganzen verbunden sind und durch dieselben regiert werden. Da nun aber kein Mensch, auch keine menschliche Gesellschaft ohne Moral sein kann, so werden auch die Gesetze des Staatskörpers auf moralischen, also religiösen Prinzipien, beruhen, aus denselben hervorgegangen sein und ebenso auch der religiösen Anschauung entsprechen müssen, welche der Gesetzgeber hat. Giebt er andere Gesetze, -so handelt er gegen seine moralische Ueberzeugung, also unmoralisch. Stimmt nun die religiöse oder moralische Anschauung des ganzen Staaiskörpers mit der des Gesetzgebers, oder gesetzgebenden Körpers überein, so wird in dem ganzen Staatskörper die schönste Harmonie herrschen, denn jedes Glied wird sich den Gesetzen .gern unterwerfen. Stimmt sie aber nicht, so muß ebenso nothwendig Disharmonie entstehen; die unzufriedenen Glieder werden sich gegen die Gesetze sträuben und sie zu entfernen suchen. Ist nun die religiöse Anschauung der unzufriedenen-Glieder eine solche, daß fie es erlaubt, sich gegen die Einführung solcher Gesetze oder zur Entfernung derselben der Gewalt zu bedienen, so wird man auch Gewalt brauchen; es wird Aufruhr, Revolution, ein Kampf auf Leben und Tod entstehen. Ist sie aber eine solche, die Gewalt nicht erlaubt, so wird man zwar alle erlaubten Mittel anwenden, um die Gesetze zu entfernen; gelingt das aber nicht, so wird man sich denselben unterwerfen; und kann man auch das nicht, so wird man lieber den Tod erdulden, als Gewalt gebrauchen. Das ist die christliche Anschauung, die der Apostel hat, wenn er spricht: .„Jedermann sei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat," der aber nichts desto weniger Schmach und Gefängniß und endlich gar den Tod erduldete, als man von chm verlangte, seinen Glauben zu verleugnen.

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