Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 5-6 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Oder wollen Sie sagen: Nun ist das nicht Verbrechen genug, ist eS nicht Gotteslästerung, wenn er sich zu Gottes Sohne, zu Gott selbst macht und sich für den Messias ausgiebt? Nun so beweisen Sie es, daß er es nicht ist und nicht sein kann. Wir aber halten Ihnen entgegen, daß wir armen Heiden durch ihn und seine Lehre von dem Götzendienste erlöst und zur Erkenntniß des einen wahren Gottes, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs und somit auch zur Erkenntniß des Weges zur Seligkeit gelangt sind, daß uns durch ihn die Offenbarung Gottes zu Theil geworden ist, und daß dies in unserer Zeit noch geschieht, und zwar auf die herrlichste Weise und im größten Umfange. Wie das Gott durch einen Lästerer seines Namens hat zulaffen können, das mögen Sie uns erklären, wenn Sie können. Wir gestehen es, daß wir das nicht begreifen können. Steht nun aber das neuere Judenthum, sowohl das talmudische, als das rationalistische, sogenannte Reformjudenthum dem Christenthume so feindlich entgegen, wie ist da eine völlige Emancipation, ja wie ist da überhaupt eine Emancipation der Juden möglich? Von der Kirche werden sie von vornherein ausgeschlossen werden müssen, und in der That sind die Juden auch noch nicht so weit gegangen, daß sie Aemter in der Kirche beansprucht hätten, wenn auch die reichen jüdischen Gutsbesitzer die Patronatsrechte nicht aufgeben und somit allerdings einen Einfluß auf die Kirche ausüben wollen. Wie aber steht es mit der Schule und dem Staate? Ja könnten Schule und Staat von der Kirche, oder allgemeiner gesagt, von der Religion getrennt werden, dann freilich würde irgend Jemand von ihnen mit Unrecht ausgeschlossen werden können. Aber wie eine solche Trennung möglich oder allch nur denkbar ist, davon haben wir keinen Begriff. Was ist Schule und was ist Staat? Die Schule, werden wir sagen, ist eine Erziehungsanstalt. Richtig, aber zu einer solchen Anstalt gehören erstens Schüler, welche erzogen werden sollen, es gehören zweitens dazu Lehrer, welche erziehen, und es gehört drittens dazu ein Zweck, ein Ziel, wofür die Schüler erzogen werden sollen. Sehen wir zunächst: Was ist das Ziel, der Zweck, wofür und wozu erzogen werden soll? Ist es Kirche oder Staat? Ist es Religion oder Religionslosigkeit? Ist es Zeit oder Ewigkeit? Will man ant-