Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1854-01-01 · 5-6 (1854) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
10 (1854)
Issue
5-6 (1854)
Date
1854-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
100% known words query
IRI
…/2554541-2554653-2554657--02052-2557911
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

viele der Gebildetsten unter ihnen befangen sind, befreit wären. Denn das würden sie sich doch immer sagen müssen, daß wir Christen keine Götzendiener sind, wie der streng talmudische Jude glaubt, sondern denselben Gott haben und anbeten, den sie haben; und da sie nicht mehr im Stande sind, das heilige Gesetz Gottes so zu halten, wie es von Moses geboten wird , viel weniger aber noch die tausendfachen kleinlichen und dem gesunden Menschenverstände oft geradezu widersprechenden talmudischen Satzungen, was sollte sie dann daran hindern, zum Christenthume überzutreten, oder wenn sie sich selbst nicht dazu entschließen könnten, doch wenigstens ihre Kinder, statt beschneiden, taufen zu lassen, um sie mit dem drückenden Gefühle des Juden zu verschonen. Fehlt es doch jetzt schon nicht an Juden, die das thun, und viele andere lassen sich nur darum nicht taufen und halten auch ihre Kinder vom Uebertritte zum Christenthume zurück, oder flößen ihnen selbst Haß und Feindschaft gegen dasselbe ein, weil sie den Christen nicht gleichgestellt sind, unv darum meinen , an ihren unterdrückten Brüdern einen Verrath zu begehen, wenn sie dieselben verließen und zu ihren Feinden übergingen. Und wie groß ist nicht erst die Zahl derer, welche sich glücklich schätzen würden, wenn sie von christlichen Eltern geboren wären, und sich auch gern taufen lassen möchten, wenn sie nur nicht durch Familienverhältnisse davon abgehalten würden, oder in dem thörichten Wahne befangen wären, der Mensch müsse bei der Religion bleiben, in der er geboren und erzogen worden; dieselbe verlassen, sei eine Schande. Man wende hiegegen nicht ein, daß ja in Frankreich und den Niederlanden Uebertritte der Juden zum Christenthume sehr selten wären, obschon sie in diesen Ländern längst schon emancipirt seien. Das hat allerdings seine Richtigkeit, allein der Grund davon liegt in den besonderen Verhältnissen. In Frankreich und Belgien ist es theils der Katholicismus, theils der völlige Unglaube, wodurch sie vom Christenthume zurückgehalten werden. Der Jude hat einen natürlichen, fast unüberwindlichen Widerwillen gegen jede Art von Bilderdienst, und hat er sich erst einmal von der Tradition losgesagt, so ist er natürlich auch nicht geneigt, sich ihr wieder zu unterwerfen. Er müßte sich aber zu beiden verstehen, wenn er zum Katholicismus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.