Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 10 (1854)
- Issue
- 1-2 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hatten. Apokalyptischen Studien hingegeben, glaubten viele die geheimnißvolle Deutung jener versiegelten Worte gefunden zu haben und träumten in Folge dessen von dem nahen Untergang der Welt, dem Antichrist und dergleichen. Daß sie sich selbst bei solchen Beschäftigungen nicht vergessen hatten, — verstehet sich von selbst, und meinten, , von Gott zum Propheten berufen zu sein, um der sündhaften Welt ihren nahe bevorstehenden Untergang zu verkünden. Dieser allgemein verbreitete Taumel und Völkerschwindel hat auch die Juden ergriffen.. Das Studium der heiligen Schrift, besonders das des alten Testaments , das die Reformatoren so dringend und angelegentlich empfohlen hatten, — führte um diese Zeit Juden und Christen näher zusammen; die letzteren näherten sich den Elfteren, trotz der gegenseitigen 'innern Abneigung und des tausendjährigen Hasses, um von ihnen hebräische Sprachwissenschaft und rabbmische Weisheit und — Thorheiten zu lernen. Juden und Christen sahen in der Reformation den Stürz des Antichristes, den Fall. Babylons —jeder nach seiner Deutung — und beide Partheien glaubten an eine baldige Erscheinung des tausendjährigen Reiches. Daß den Juden, die ohnehin von Messrasideen und Messiashoffnungen aller Art — nur nicht von den wahren und rechten — voll waren, die Reformation, die Bekämpferin des Bilderdienstes —— vielfachen Stoff zu ihren.Hoffnungen geliefert hat, läßt sich um so leichter begreifen, als auch viele Christen den Wahn einer baldigen Wiedererscheinung Christi auf Erden mit ihnen theilten,') daß .Schwärmer und Phantasten, von einem solchen?) Franz Delitzsch berichtet in seinem Buche (Wissenschaft, Kunst und Judenthurn. Grimma 1838 S. 134): Zur Zeit des Vesper- Gebets, zu dem die Juden sich in die Synagoge zu Safad in Qbergaliläa versammelten, blieb einer der Lurias unbeweglich.mit niedergesenktem Blicke an. dem Orte stehen, wo er sein Gebet verrichtet hatte. Ep zog in dieser Stellung die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf sich; als man ihn fragte: Rabbi, was ist dir? da erwachte er, wie aus einem tiefen Traume, aus prophetischem Gesichte und sprach: „Um diese Zeit ist im fernen Auslände ein Mann geboren worden der Welt und uns