Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 11-12 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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er in einer Familie als Kehrer des einzigen Sohnesein Unterkommen fand, außer freier Station. 90 Rubel Silber Gehalt bekam und drei und ein halbes Jahr verblieh. Hier sah und las er auch zum Theil zum ersten Male die Schrift „Netliivoth Olam“ (den wahren Israeliten), welche ein Jude von Brody nach Rußland eingeschmuggelt hatte. Hier fand er auch ein Neues Testament in deutscher Sprache, welches er gelegentlich im Geheimen las, aus Furcht vor den Juden, und es gefiel dem Herrn, ihn so durch sein einfaches Wort von der Wahrheit des Christenthums zu überzeugen. Er entschloß sich nun nach Hause zurückzukehren und fich zu bemühen, von seinem Vater die Einwilligung zu erhalten, Rußland ganz verlassen zu dürfen, wobei er den geheimen Vorsatz hatte, nach England zu gehen. Der Vater jedoch verlangte von ihm, daß er sich verheirathen und ein Geschäft anfangen sollte. Diesem Willen des Vaters wollte er sich nicht fügen, und um ihm zu entgehen, floh er zum dritten Male aus dem Hause seines Vaters und gelangte glücklich über die Grenze in die Moldau, wo er sich einen Paß verschaffte und nach Constantinopel ging. In dieser Stadt verweilte er fünf oder sechs Wochen und besuchte daselbst den Bruder Goldberg, von welchem er mehr Licht über das Christenthum erhielt. Vor ungefähr drei Monaten kam er in Begleitung einiger andern Juden hier in Jerusalem an. Er ging mit seinen Begleitern sogleich in die Synagoge, wo er mit noch einigen Andern, welche daselbst ihre Zeit mit dem Studium des Talmuds verbringen, und nach ihrer Meinung so dem Herrn Tag und Nacht dienen, seinen Aufenthalt nahm. Die Rabbinen und einige feiner Landsleute erwiesen ihm hier viel Achtung und Aufmerksamkeit und waren außerordentlich gastfrei gegen ihn um feines Vaters willen, welcher wegen seines Eifers fürs Judenthum, und wegen seiner Freigebigkeit an den Coleb der Peruschim von den hiesigen Juden wie von denen in Rußland sehr geachtet wird. Zehn Wochen lang war er nicht im Stande, Jemanden ausfindig zu machen, bei dem er sich sicher nach dem Wege zu einem Missionare erkundigen konnte, um seinen Zweck zu erreichen. Endlich fand er den Mann in der Person eines sehr geachteten jungen Judens, welcher selbst gern zum Christenthum übertreten