Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1853-01-01 · 11-12 (1853) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
9 (1853)
Issue
11-12 (1853)
Date
1853-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554644-2554652--01965-2557821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ebensoviel christlicher Liebe empfing, wie den Auftrag mit Höflichkeit Diese ungewöhnliche Güte veranlaßt« den jungen Juden seinen Aufenthalt zu verlängern und sich mit dem polnischen Edelmann und seiner Frau, beides Katholiken, in ein Gespräch einzulaffen. Die letztere, welche mit der talmudischen Lehre von der Seelenwanderung bekannt gewesen zu sein scheint, bestritt, daß nach dieser Lehre-jemals eine Seele selig werden könne, und behauptete dagegen, daß wir nach dem Worte Gottes das Heil unserer Seele allein durch den Glauben an den Messias erlangen. Dann erbot sie sich, ihm ein hebräisches Buch zu leihen, was er auch aus Neugierde annahm. Dies war das Neue Testament, welches er auch mit Hast zu lesen anfing, bis er von feinem Vater entdeckt wurde, welcher ihn zwang, das Buch sogleich der guten Dame zurück zu bringen. Hierdurch war jedoch ein Verlangen in ihm erweckt worden, sowohl das Alte Testament, als auch andere Bücher in der deutschen und russischen Sprache.sieißiger zu lesen, welche er auch bald heimlich von andern jungen Juden erhielt, die in ähnlicher Weise dasselbe Studium verfolgten. Er verbarg das Buch unter der Gemara und las es, wenn er allein und unbeobachtet war. Sein Pater jedoch entdeckte dies bald; das Buch wurde zerrissen oder verbrannt, und der Leser stark gezüchtigt. Aber jemehr er den Talmud studirte, desto größeren Widerwillen empfand er dagegen, und desto ängstlicher suchte er seinen Geist auszubilden durch das Lesew christlicher Schriften; die Entdeckung seines Thuns zog ihm jedes Mal schwerere! und schmerzhaftere Züchtigung zu. Endlich wurde sein Vater verleitet, einen russischen Magistrat zu bestechen, daß er seinem Sohne SS Hiebe aufzählen ließ , indem er glaubte, auf diese Weise seinen Entschluß zu erschüttern. Es diente jedoch nur dazu, seinen Geist so niederzudrücken und seine Gesundheit so zu verletzen, daß er als ein Wahnsinniger in ein Hospital gebracht werden mußte. Hier blieb er 9 Wochen, wornach ihn sein Vater wieder nach Hause Nchmr Drei Monate blieb er ruhig bei ihm, dann aber entfloh er. lEr wurde verfolgt, ergriffen und wieder zurück gebracht» Drei Wochen später gelang es ihm, seinen Weg nach Viniza, einem Orte ungefähr 59S Werst von seiner Heimath entfernt, zu nehmen, wo

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.