Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 11-12 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Jerusalems und mit dem Verluste des jüdischen Staats auch die Geschichte der Juden zu Ende gegangen sei. Dem ist nicht also! Dieses Volkes Geschichte, selbst ohne Vaterland, ist lange, lange noch nicht zu Ende. Es hat längst sein Königthum, nachdem es den zu ihm gekommenen König verworfen hatte, verloren; es hat auch sein auf Steintafeln geschriebenes Gesetz überlebt, und dennoch gehet seine Geschichte ihrem Ziele entgegen; sie geht mit Heroldsstimme, mehr denn alle Büßpredigten, durch die Welt mahnend, belehrend und warnend. Sekten, ja wir möchten sagen, die meisten Völker des Alterthums, die ersten und mächtigsten Unterdrücker Israels, sind vom Schauplatz der Welt abgetreten, von Vielen sind sogar ihre Wohnsitze jetzt unbekannt, und ihre Namen verschwunden, und Israel stehet noch jetzt als Anomalon da. „Heimathslos, selbst in seinem Geburtslande, stand der Jude da; ausgestoßen aus der Reihe der Völker und doch stets ein Volk; hier Kinder Gottes — vogelfrei von den Menschen; als Heilige angesehen und doch als Verworfene behandelt" — das war der Zustand der Juden; sie waren —um mich eines großen Philosophens Ausdrucks zu bedienen — die Deponentia der politischen Grammatik, die passive Form mit der ewigen aktiven Bedeutung. Und dieses Alles soll ohne Bedeutung sein? Der Herr nannte Israel „seinen Sohn"; seinen „Erstgebornen"; sein „Erbe". Allein dessen ungeachtet hat Er es wunderbar und beispiellos bestraft. Zur Warnung und Belehrung stehet es da, daß, „wie ein Mann seinen Sohn, also hat der Herr es gezüchtiget."*) Diese Züchtigung Israels wurde der Heiden Heil,2) damit es ihnen nacheifern soll; sie soll auch eine Manifestation der Gnade und des Ernstes Gottes sein. Doch Israel hat mit seinem Falle auch alle die tiefere Einsicht in'das, was ihm noch thut, verloren. Es hat Augen und siehet nicht, Ohren und höret nicht die mahnende Stimme der Barmherzigkeit, die an dasselbe seit den Zeiten der Propheten bis zur jetzigen Stunde ergangen ist. Noch immer verschließt es dem Worte des Evangeliums das Ohr, noch immer hofft es auf einen i) 5 Mos. 8, 3. -) Röm. 11, 11. 11*