Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 9-10 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lassen.: Mein Freund selbst war noch sehr aufgeregt von dem gestrigen Gespräche. Er bedauerte, daß er ein so verzweigtes Thema, als die jüdischen Feste aufs Tapet gebracht habe, zumal man hier im Orte ohne alle wissenschaftliche Hülssmittel sich befinde. Indessen machten wir uns auf, und nach abgehaltener Morgenandacht statteten wir einen Besuch dem Ortsprediger ab, dem auch mein Freund unsere Erlebnisse des gestrigen Abends mitzutheilen nicht unterlassen hatte. Der Prediger hierüber sehr erfreut, sagte, er wolle um S Uhr uns besuchen und an der Unterredung selbst Theil nehmen, und zwar thue er dies um so-lieber, um „den Candidaten", seinen ehemaligen Schüler, wieder ein Mal zu sehen. Bei dieser Gelegenheit eröffnete er uns, daß „der Kandidat" vor seinem Abgang zur Universität große Neigung für christliche Wahrheiten überall blicken ließ, und nur Familienverhältnisse hätten ihn abgehalten, in die christliche Kirche zu treten. Wir entfernten uns von dem Prediger, um ihn in seinen Vorbereitungen zur Predigt nichtM stören. :; Nach einem zurückgelegten Spaziergang kehrten wir nach unserer Wohnung zurück. Wir wurden gleich zu Tische gerufen. Nach aufgehobener Tafel mehrte sich der Besuch bei unserem Wirthe zusehends. Männer und Frauen in altjüdischen Festgewändern, bildeten wahrhaft malerische Gruppen. Auch der Herr Prediger erschien. Dies brachte große Bewegung bei der anwesenden Menge hervor. Das Zimmer war beinahe überfüllt, als unser Wirth uns den Vorschlag machte, daß wir dies Zimmer mit dem heut wegen des „lieben Festes" leer stehenden Billardsaal vertauschen möchten. Dieser Vorschlag wurde freudig angenommen. Alle ließen sich ruhig in bunter Reihe um den großen grünen Tisch nieder. Tiefer Ernst malte sich auf allen Gesichtern und eine kleine Pause trat ein ... Der Candidat unterbrach das Schweigen. Meine Herren! diese beiden sehr geehrten und gelehrten Herren —wahrscheinlich Missionare — waren gestern eifrigst bemüht zu behaupten, daß das von der ganzen Judenheit allgemein gefeierte Neujahrsfest in dem Worte Gottes nicht begründet sei. Ich spreche den Wunsch, den wohl Viele meiner Brüder mit mir cheilcn werden, hier aus, von den geehrten Herren zu erfahren, welche