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Dibre Emeth · 1853-01-01 · 9-10 (1853) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
9 (1853)
Issue
9-10 (1853)
Date
1853-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ul habenheit und Ordnung. Hell strahlte das Zimmer von den vielen Lampen des Kronleuchters. Die Tafel war prächtig geschmückt mit silbernen Leuchtern, bunten Wachskerzen, Blumenvasen, silbernen Pokalen rc. Unser Wirth im schwarzseidenen Talar mit silbernen Haken gekleidet, mit langem Bart und Locken, die noch nie eine Scheere oder Barbiermesser berührt hatten, erinnerte uns an die schönen von Albrecht Dürer so kräftig gezeichneten Apostel des Herrn. Eine gewisse Ehrlichkeit und kindliche Einfalt, gepaart mit Wohlwollen, waren die Grundgesichtszüge unseres Wirthes. Mit patriarchalischer Würde erhob er sich von seinem Lehnstuhl und kam uns entgegen und entschuldigte die Unordnung des Zimmers mit dem großen Zudrange der Fremden „zu dem lieben Jom-tob" (Festtag) Platz zu nehmen, uns einladend, wies er uns die Ehrenstelle an der Tafel neben seinen Kindern, einem jungen Manne und zweien jungen weiß gekleideten Mädchen an. Den jungen Mann bezeichnte er uns als seinen Sohn, der in Breslau und Berlin studirt habe, und der während der Ferien zu den „großen Festen" zu den Eltern heimgekehrt wäre. Alles war still! Die Meisten entfernten sich von der Tafel und wuschen ihre Hände, trockneten sie wieder ab und sprachm dabei ein Paar unverständliche hebräische Worte. Alle kehrten wieder auf ihre vorigen Plätze geräuschlos zurück. Jeder hielt den Athem an sich, um nicht die große Stille zu unterbrechen. Da erhob sich unser Wirth plötzlich von seinem Sitze, schenkte den Pokal mit perlendem Wein voll, und in eigenthümlicher Weise sprach er den auf das Neujahr sich beziehenden Segen — brach das Brot und theilte einem Jeglichen der Tischgenossen etwas davon mit. Ebenso vertheilte er Honig, Datteln, Aepfel mit Honig bestrichen, wobei alle abermals einen Segensprachen. Endlich kamen auch gewöhnliche Speisen auf den Tisch. Wir ließen uns besonders die Fische, deren künstliche Bereitung ein eigenthümliches Erbtheil der Töchter Abrahams wirklich ist, recht gut schmecken. Mein Freund, über alle diese Vorgänge im tiefsten Staunen versunken, fragte unfern Wirth über die Bedeutung dieses Festes; der aber, seine Unkunde der deutschen Sprache vorschützend';, wies ihn an seinen „gelernten Sohn:" 9*

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