Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554644-2554649--01874-2557727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 Rabbi-, welcher von den Juden für einen Heiligen gehalten wird (und, sie schwören in der That bei seinem Namen), ist ein aufgeblasener, selbstgerechter Pharisäer, und da er in guten Verhältnissen ist, so ist er anmaßend im Betragen gegen seine Brüder. Ich stand heute Nachmittags gerade vor der Thür, als er zufällig vorüber ging, und indem er stehen blieb, um seine Schuhe auszuziehen, da in einer kleinen Entfernung eine Moschee war, so grüßte er mich. Ich bat ihn einzutreten, was er auch that; er blieb einige Zeit bei mir und disputirte mit mir über den Inhalt der Traktate. Madame E—., welche an unserm Gespräche Theil nahm, bemerkte ihm, daß die Juden, wenn es ihnen nur erlaubt wäre, die Bibel ohne rabbinische Erklärung zu lesen, gar bald finden würden, daß der Messias schon längst gekommen sein müsse, und daß kein anderer als Jesus von Nazareth dieser Messias sei. Er konnte ihre Bemerkungen gegen die Weisen nicht ertragen, und indem er an der Thür meine Hand ergriff, sagte er: Schaffen Sie diese Begriffe von dem Messias aus ihrem Kopfe und folgen Sie dem heiligen Gesetze unserer Väter." Ich wollte ihn jedoch nicht gehen lassen, bis ich ihm bewiesen hätte, daß wir, indem wir der Bibel, als dem Worte Gottes allein glauben, streng dem Glauben Abrahams, Moses und der Propheten folgen; daß aber die Juden, indem sie die Bibel verachten und Menschensatzungen statt des Wortes Gottes hinstellen, nicht die Religion ihrer Vorfahren befolgen; und daß der Jude das göttliche Ansehen des Talmuds aus der Bibel nicht besser beweisen kann, als der Mahometaner darzuthun vermag, daß der Koran vom Himmel kam. Den 24. Nov.— Es regnete den ganzen Tag; verschiedene Juden kamen Bücher zu kaufen. Ich verkaufte einige, vertheilte einige Tractate und predigte ihnen Buße, und hatte viel aufmerksame Zuhörer. Den 27. Nov. — Der Befehlshaber des französischen Kriegsschiffes Newton erbot sich, mich mit nach Tanscher oder Tanger zu nehmen. Da ich während der letzten drei Tage heftig an der Ruhr gelitten hatte, so nahm ich sein gütiges Anerbieten mit Dank an. Demzufolge machten wir uns diesen Morgen auf in der Absicht uns einzuschiffen. Nachdem wir zwei Mal versucht hatten, die an dem