Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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88stiegen, wurde mein Thier scheu und warf mich ab ins Wasser, wobei ich noch im Sattel hängen blieb. Ich hatte eben so viel von dem Maulthier, als von dem Wasser zu fürchten, doch der Herr Jesus bewahrte mich vor allem Schaden. Sobald wir an dem andern Ufer angelangt waren, fühlte ich mich so unwohl, daß ich froh war, mich in meine Decke einhüllen und auf die Matratze legen zu können, wo ich mich eine Stunde eines gesunden Schlafes erfreute. Unter uns befand sich ein Jude aus Asemor, welcher mich gebeten hatte, ihn bis hieher unter meinen Schutz zu nehmen. Zufällig stieß er das Gewehr eines der Soldaten um, es ging los, und die Kugel sauste dicht vor meinen Ohren vorbei und weckte mich mit Schrecken auf. Ein wunderbarer Eingriff der göttlichen Gnade schonte meiner, denn wäre die Kugel mir nur einen Zoll näher gekommen, so müßte sie durch meinen Kopf gegangen sein. Ich hatte große Mühe, die Soldaten von der Züchtigung des armen Mosard für seine Unvorsichtigkeit zurück zu halten. Ich fühle mich getröstet durch die Gewißheit, daß des Herm Auge über mich wacht. Die Nacht verbrachten wir in der Nähe eines unfreundlichen „Doar" oder Stammes. Meine Soldaten wurden genöthigt, die ganze Nacht Wache zu halten zusammen mit vier andern Leuten aus dem Orte, welche sie von dem Schech (der Obrigkeit) erzwangen. Der arme Judah Mosard war wieder unglücklich, indem er sich auf meine Hutschachtel setzte und meinen Regenschirm zerbrach. Der arme Schelm bekam einen heftigen Schlag von dem Maulthiertreiber, ehe ich es gewahr wurde. „Schatan" (Satan), sagte der Mann, „bist du mit uns gekommen, um uns unser Brot zu nehmen und unser Leben zu rauben? Verfluchter Jude, wir werden dir zuerst den Kopf abschneiden." Ich besänftigte jedoch ihre Wuth, als ich sie versicherte, daß sie den mir zugefügten Schaden nicht bezahlen sollten. Den zerbrochenen Regenschirm gab ich dem Hauptmann, wofür ich viele Segnungen und Lobpreisungen von ihm erhielt, die sich alle in der Phrase concentrirten: „Dieser Nazarener ist ebenso gut wie ein Muselman", worüber sich Mahomet beleidigt sthlte, indem er sagte: „Ist er nicht ein Engländer? Sie und die Muselmäner sind eins."