Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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_76 Christo zu lenken, auf die schlechthinnigc Nothwendigkeit der Buße und des Glaubens, so finden wir eine sehr gleichgiltige Ausnahme. Die finstere Stirn und die beweglichen Lippen verrathen sehr bald, was im Herzen vorgeht, und alte Vorurtheile vereinigen stch bereitwillig mit der menschlichen Verkehrtheit, um der Wahrheit zu widerstehen. Die beste Antwort, welche wir erhalten, ist oft die: „Ich verstehe das nicht; das übersteigt meine Begriffe, und dergleichen. Wenn ich die gegenwärtige traurige Lage meiner Brüder erwäge, so ftage ich mich oft: sind das die Nachkommen derjenigen edlen Spanier, welche die Zierde ihres Alters und ihres Volkes waren? Waren nicht jene berühmten und gefeierten Persönlichkeiten, wie Maimonides, Aben Esra, Kimchi, Nachmanides und viele andere, spanische Juden? „Wie ist das Gold so gar verdunkelt, und das feine Gold so häßlich geworden?" Was ist die Ursache, daß sie jetzt ihren askenafischen (deutschen) Brüdern so weit nachstehen, denen sie vor nur 300 Jahren so weit überlegen waren? Für diese und viele ähnliche Fragen konnte ich nirgends eine Lösung finden, als in dem wohlthätigen Einflüsse, welche das Christenthum indirect auf die Einen, aber nicht auf die Andern gehabt hat. Als jenes wichtige Ereigniß stattfand, als nach Jahrhunderten der Finsterniß und des Aberglaubens die glorreiche Reformation eintrat, so wurden die mächtigen Impulse, welche sie gab, die religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen , welche ihr folgten, von jeder Klasse der Gesellschaft gefühlt. Sogar der Jude, in Ghettos und andere abgesonderte Oerter eingeschloffen, hatte Ursache, sie mit Freuden zu begrüßen. Sobald die Menschen zur Quelle der Wahrheit zurückgeführt wurden, sobald sie gelehrt wurden, Lehren und Leben nach dem untrüglichen Worte Gottes zu ordnen, fing auch für Israel eine herrliche Zeit zu tagen an. Dies göttliche Buch brachte nach und nach Christen und Juden näher zusammen; es lehrte die Einen, mit Israels Ansprüchen zu sympathisiren und sie zu achten, während die Andern, überrascht und ergriffen von den edlen Früchten, welche das biblische Christenthum unfehlbar allezeit hervorbringt, nicht umhin konnten, mit einem günstigeren Auge auf dasselbe zu sehen.