Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554644-2554649--01855-2557708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 ihre Erkenntniß erstreckt fich nicht weiter, als auf einige rabbinische Legenden, an welchen sie natürlich mit der größten Halsstarrigkeit festhalten. Die Kakhamim (Weisen) und der größte Theil der Kauf- und Handelsleute bilden die zweite Klasse. Die ersteren schlafen noch sanft im Schooße des Rabbinismus; sie sind bisher noch kaum in ihrem Schlummer gestört worden; man kann kaum sagen, daß der Ruf des Evangeliums bis zu ihren Ohren gedrungen ist. Wir sollten uns daher nicht wundern, wenn sie meinen, daß sie noch die alleinigen Bewahrer der Wahrheit find, und ihr System das allein von Gott verordnete ist; wenn sie dem Christenthume nicht günstig sind und fortfahren, allen Versuchen der Neuerung zu widerstehen. Vor einem Jahre wollten einige junge Männer eine Schule nach einem bestem Plane einrichten, als wie es unter ihren Brüdern gebräuchlich ist, oder wie sie sagten, „a la franca,“ nach europäischer Weise; aber sie wurden von den Rabbinen an der Ausführung verhindert. Man wollte eine Zeitung im spanischen Dialekte herausgebe», aber es mußte unterbleiben aus Mangel an Unterstützung von den Höherstehenden. Die Worte unsers Herrn und Heilandes, obschon sie vor mehr als 1800 Jahren gesprochen sind, sind noch vollständig anwendbar auf die Rabbinen unserer Tage: „Wehe euch Schriftgelehrten, denn ihr den Schlüssel der Erkenntniß habt. Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen." Die meisten der Kauf- und Handelsleute find gänzlich indem Getreibe der weltlichen Geschäfte versunken. Sie essen ihr Brod mit Sorgen, stehen frühe auf und kehren spät nach Hause zurück, daher man sie auch kaum jemals zu Hause trifft. Die dritte Klaffe zählt nur Wenige; ihre Augen find geöffnet worden, daß sie die Trugschlüsse des Rabbinismus erkennen und nun mehr oder weniger öffentlich kämpfen, sein verletzendes Joch abruwerfen. Sie hören uns gern, wenn wir das Ansehen des mündlichen Gesetzes leugnen, wenn wir ihnen beweisen, daß cs dem Worte Gottes geradezu widerspricht, wenn wir ihnen dessen arge Verfälschung der Schrift zeigen und von ähnlichen Gegenständen sprechen; aber wenn wir versuchen, ihre Aufmerksamkeit auf die Wahrheit in