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Dibre Emeth · 1853-01-01 · 5-6 (1853) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
9 (1853)
Issue
5-6 (1853)
Date
1853-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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rs Wächter auf die Warte gestellt, um dem erstem zu melden, was er geschaut hat. — In vielen Fällen erscheint der Inhalt der Offenbarung der innem Wahrnehmung nicht mehr bloß in der Form des Worts, sondern als begränzte sichtbare Gestalt; d. h. das prophetische Schauen wird zum Schauen des prophetischen Gesichtes. In dieser Beziehung ist aber ein ziemlicher Unterschied. Bei den ältern Propheten, namentlich bei Amos 7, ist die visionäre Symbolik noch sehr einfach, den einfachen Lebensverhältnissen entnommen, dagegen bei Ezechiel und Sacharia viel eomplicirter und namentlich bei Ezechiel oft in kühne, für eine occidentalische Phantasie kaum reproducirbaren Gestalten übergehend. Es zeigt sich hier sehr deutlich, wie die Sphäre des prophetischen Schaums durch oberasiatische Einflüsse bestimmt wurde. — Da für. das Anschauen Alles gegenwärtig ist, so ist für dm Propheten ein prophetisches Schauen alles Künftige gegenwärtig vollendet. Daher der Gebrauch der sogenannten prasentia prophetica oder auch der participia, bei denen noch durch ein hinneh auf den Gegenstand, als auf einen vorhandenen hingcwiesen zu werden pflegt. — Da ferner die Anschauung als Anschauung nur Einzelnes giebt, so erscheinen in den prophetischen Offenbarungen die Jdeeen der Offenbarung immer nur als einzelne concrete Vorgänge. Vom biblisch-theologischen Standpunkte aus kann die Erscheinung der Prophetie nur dann vollständig begriffen werden, wenn sie im Zusammenhänge mit der neutestamentlichen Offenbarung aufgefaßt wird. Auf der ersten Stufe der Offenbarung, der des Gesetzes, ist die Beziehung beider Seiten, Gottes und des Menschen auf einander, nur die des äußerlichen Bundes zwischen beiden. Gott ist für den Menschen; der Wille Gottes soll menschlicher Wille werden und der Mensch ist zu Gott. Aber beide bleiben auf diesem Standpunkte des Gesetzes außer einander, und in dem Widerspruche, daß der göttliche Wille der eigne Wille der gottentfremdeten Menschen sein soll, daß der Mensch das, was er von Natur nicht will, wollen soll, zeigt sich die Unmöglichkeit, auf diesem Standpunkte eine Einigung Gottes und des Menschen zu erreichen. Darum das Verlangen

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