Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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durch des Propheten natürliches Gefühl geradezu ins Entgegengesetzte umgesetzt wird. So ist z. B. für den Propheten, wenn er Gerichte über die Feinde seines Volkes verkündigt, das natürliche GMHl das der Freude; aber es giebt Stellen, in denen der Prophet so sehr in das eigne .Erleben des Weh's, das er heidnischen Völkern verkündet, hineingezogen wird, daß er selbst mit Wehklagen erfüllt wird. So Jes. 16,9—11. Damm wein' ich, wie Jaeser weint, um den Weinstock Sibma's, netze dich mit meinen Thränen Hesbon und Eleale; denn in deine Obstlese und Erndte fällt der (Schlacht-) Ruf re. Jerem. 48, 36. Darum klaget gleich Flöten mein Herz über Moab und über die Männer von Kirheres klaget mein Herz gleich Flöten. — Besonders deutlich aber wird dieser psychische Zustand in der Weissagung über Babel. Jes. LI, 1—10. In diesem Gesichte, das der Prophet selbst V. 2 als ein schweres bezeichnet, schaut er das hereinstürzende medopersische Heer in der Nacht, da Babel fällt. — Ihm, dem Israeliten, ist natürlich dieses Gesicht Wonne; allen Seufzern seines Volkes steckt Gott jetzt ein Ziel; aber trotzdem wirkt die empfangene Offenbarung so überwältigend auf sein Inneres, daß er allen Jammer Babels als seinen eigenen fühlt. So ist auch Micha l, 8 zuerklären: Schmerz über Samariens Gericht. — Hieraus widerlegt sich die wiederholt ausgesprochene Ansicht, daß die Prophetie psychologisch zu erklären sei aus einer lebhaften Erregung und Steigerung des Gefühlslebens, womit sich dann eine Lebhafte Thätigkeit des Propheten verbindet. Im Gegentheil ist diese Gesühlserregung nicht der Grund, aus dem die prophetische Begeisterung erwächst, sondern durch die objektiv empfangene Offenbarung wird das Gefühl so gewaltig aufgeregt. — Etwas Anderes ist es, wenn der Prophet durch eine symbolische Handlung das, was er verkündigt, als an sich selbst vorgehend darstellt, sei es, daß die symbolische Handlung wirklich äußerlich vorliegt, wie das in gewissen Fällen unzweifelhaft ist, so nach Jerem. 19, 1. Gehe, kaufe eine Flasche vom Töpfer und (nimm mit dir) von den Aeltesten des Volkes und von den Aeltesten der Priester, und gehe hinaus in das Thal der Söhne Hinnoms; — oder daß die symbolische Handlung als in-