Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 meinen fühlt sich der Prophet psychisch gekräftigt und gestärkt. ES ist ihm nach 1. Sam. 10, 6, wie wenn er ein neuer Mensch geworden, ein anderes Herz bekommen habe. Jes. 6 weiß sich gesühnt und gereinigt. So unterscheidet sich nun der prophetische Zustand nicht bloß von dem wüsten Treiben, der alles Unreine und Sündige des Herzens oft auf eine grauenhafte Weise auftegenden heidnischen Mantik, deren Ekstasen oft mit einem an Blödsinn grenzenden psychischen Zustande enden, sondern namentlich auch durch den Punkt, daß der Prophetie die Continuität des Selbstbewußtseins wesentlich ist, von der Erscheinung des Somnambulismus. Eine Analogie für den prophetischen Zustand bildet aus dem gewöhnlichen physischen Leben der lebhafte Traum, in welchem das im Schlafe zurückgetretene Selbstbewußtsein wieder hervortritt, so daß nach dem Erwachen die Erinnerung an das Traumgesicht vorhanden ist. Auch gaben sich wirklich manche prophetische Gesichte als im Schlafe empfangen, so namentlich die in den 6 ersten Cap. des Sacharin. In der Nacht wird nach 1, 8 dem Propheten das Seherauge geöffnet. 4, 1 zeigt, daß der Zustand der Vision eine Art Schlafwachen war, denn der Prophet muß, um weitere Offenbarung zu erhalten, aus dem schlummernden Zustande, in den er nach der vorhergegangenen Offenbarung gesunken war, aufgerüttelt werden. Cfr. Jer. 31, 26. Indem der Prophet nach dem Gesagten im Augenblick des Empfangens bei vollem Selbstbewußtsein ist, wodurch es ja nur möglich wird, das ihm Geoffenbarte von dem aus seinem eignen Bewußtsein Stammenden zu unterscheiden, und so der Prophet den Inhalt seiner Weissagung durchaus objektiv als das Andere seiner selbst hat, verhält er sich dessen ungeachtet nicht interesselos, wird vielmehr in die lebendigste subjektive Theilmahme an den geoffenbarten Inhalt hineingezogen. Dieß geschieht nicht bloß in der allgemeinen Weise, daß der Prophet durch den Inhalt seiner Weissagung zu Freude oder Schmerz, zu Furcht oder Hoffnung angeregt wird, sondern viel intensiver, so daß oft der geweissagte Gegenstand das eigne Erlebniß des Propheten wird. Ja es kann dieses Ergriffensein des Gefühls durch die objektive Macht des Gegenstandes so weit gehen, daß da-