Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 5-6 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Und Saul zog auch seine Kleider aus und weissagte auch vor Samuel und fiel bloß nieder den ganzen Tag und die ganze Nacht. . Um solcher Erscheinungen willen mögen unter andern Gründen auch die Propheten als tolle Rasende bezeichnet worden sein. 8 Kon. 9, 11. Und da Jehu herausging zu den Knechten seines Herrn, sprach man zu ihm: Stehet es wohl? Warum ist dieser Rasende (ein Prophetenschüler) zu dir gekommen? Aber dieser Zustand der alles Selbstbewußtsein überwältigenden Ekstase kann nicht als der normale Zustand des Propheten betrachtet werden; ja er ist nicht einmal das Höchste. Diese Form der Prophetie erscheint besonders in den ältesten Zeiten derselben, wie es denn gewöhnlich geschieht, daß in Zeiten Epoche machender Evolutionen des religiösen Geistes derselbe auf eine gewaltsame erschütternde Weise in das Leben des aus seiner bisherigen empirischen Welt herausgeriffenen Menschengeistes eingreift. Sehen wir die Berichte der Propheten selbst an, so zeigt sich im Allgemeinen, daß bei ihnen im Moment des Empfangens das Selbstbewußtfein so wenig absorbirt ist, daß eS vielmehr erhöht und geheiligt wird; so Jes. 6. Als er in seiner Einweihungsviston die- Herrlichkeit Jehovahs schaut.und zu seinem Boten geweiht wird, ist er sich seiner gar wohl bewußt, nämlich als eines sündigen Menschen, der, während er so oft seine Lippen verunreinigt hat, nun mit ihnen Gottes Wort verkündigen soll und darum sich der Versöhnung bedürftig fühlt, ehe er als Bote auftritt. Ebenso ist Jeremias sich seiner Unwürdigkeit bewußt. Ezechiel fällt nach 1, 88, da er die Vision empfängt, allerdings nieder, aber er muß nach 8, 1 u. 55, um die Offenbarung zu vernehmen, wieder aufftehen und 'das ganze Folgende zeigt nicht eine Auslöschung, sondern eine Erhöhung des Selbstbewußtseins. Daniel sinkt nach 19, 8—10 allerdings ohnmächtig nieder; aber die Offenbarung erhält er erst, nachdem er wieder zu sich selbst gekommen. Ist es daher, auch richtig, daß solche visionäre Zustände das natürliche Leben gewaltsam erschüttern können, wie denn Daniel 8, 87 einmal «ach einem Gesichte mehrere Tage krank ist, so ist doch der Zustand des Subjekts nicht Unterdrückung des Selbstdenkens. Auch die prophetische Ekstase hebt doch die Erinnerung nicht auf und im Allge-