Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 3-4 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Fangen Sie daher bei Ihrem eignen Herzen an (und vergessen Sie nicht, daß Gott ihre Gedanken kennt) und erwägen Sie, ob das einfache Wort Gottes mtt dem übereinstimmt, was Sie von Ihrer Zugend auf zu glauben und zu thun gelehrt worden sind. Sollten Sie das finden, und sollte Ihr Gewissen Sie nicht der Verdrehung des Wortes Gottes anklagen, dann bleiben Sie Jude; aber wenn es anders ist und Sie dabei doch halsstarrig bleiben, dann vergessen Sie nicht, daß einst ein Tag des Gerichts kommt, wo wir werden Rechenschaft geben müssen von jedem Gedanken, Worte und Werke, die wir gegen seinen heiligen Willen unterhalten und begangen, wie er uns in der Bibel geoffenbaret ist. Er wurde etwas blaß und blieb einige Minuten still, scheinbar entweder von seinem Gewissen betroffen, oder darüber bestürzt, daß ihm ein Christ in dieser Weise predigte, da er gewohnt ist, sich selbst einen Lehrer in Israel zu nennen, oder auch aus beiden Ursachen. Endlich jedoch erholte er sich und beruhigte sich mit der abgedroschenen Antwort: „Wir können die Bibel ohne Erklärung des Talmuds nicht verstehen." Ich zeigte ihm: erstens, daß der Talmud den wahren Sinn der Bibel gröblich und schändlich verdreht und so das Böse gut, und das Gute böse, Finsterniß Licht, Und Licht Finsterniß nennt, gerade wie es den sündlichen Neigungen seiner Verfasser paßt. „O mein Volk, deine Führer führen dich irre!" Zweitens, daß sie selbst nur der Erklärung des Talmuds folgen, wenn es ihnen gut dünkt; denn in Betreff der meisten Kapitel und Verse, welche der Talmud von dem verheißenen Messias erklärt, folgen sie den neuem Erklärern; und drittens zeigte ich ihm, wie gefährlich es ist, von dem ebenen Wege abzuweichcn, der uns in der Bibel vorgezetchnet ist, und dagegen den Weg zu betreten, den uns betrügliche Menschen zeigen. Auch zeigte ich ihm, daß die römische Kirche, die von allen Juden so sehr verabscheut wird, in groben Bilderdienst verfallen sei, weil auch sie größern Werth auf die Lehre ihrer Zadikim oder Heiligen, als auf die der heiligen Schrift gelegt hat, — weil sie, wie die Juden, aufgehört hat zu trinken die reinen, Seel' erquickenden Wasser aus der klarenden Himmel abspiegelnden, lebendigen Quelle und vorzieht die Wasser des seichten, schäumenden Und trüben Baches nichtjüdischen Rab-