Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1853-01-01 · 3-4 (1853) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
9 (1853)
Issue
3-4 (1853)
Date
1853-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554644-2554648--01836-2557688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 gegenwärtiger Jude, warum Gott es zuließe, daß die Juden in Sana, (welche, wie er meinte, frömmer sind, als die Europäischen Juden,) so grausam unterdrückt und mit Bitterkeit verfolgt werden, mehr als alle andern Juden in der Welt. Ich antwortete ihm, daß die verschiedene Lage, in welcher sich die Juden in Sana und ihre Europäischen Brüder befinden, nicht die Folge ihres eigenen Verdienstes oder ihrer Verschuldung ist, sondern der Verschiedenheit in der Religion und ihrer Leiter. Während die eine Religion Unterdrückung und Verfolgung aller derer befiehlt, welche dieselbe nicht annehmen, befiehlt uns die andere, darnach zu trachten, unserm himmlischen Meister ähnlich zu werden, barmherzig zu sein, wie er barmherzig ist, unfern Feinden zu vergeben, ja für sie zu beten. Ich zeigte ihnen, daß selbst in den christlichen Ländern die Juden nicht überall gleich behandelt werden; wo die christliche Religion nicht in ihrer ursprünglichen Reinheit gehalten wird, da sind auch die Juden Dulder, und in den Mahomedanischen Ländern, wo die christlichen Mächte den meisten Einfluß haben, sind auch die Leiden der Juden geringer. Dann zeigte ich ihnen ausführlich den Vorzug der christlichen Religion vor ihrer eigenen in Beziehung der Moral, und hörte sie dann und wann mit einem hörbaren Seufzer sagen: „Es ist wahr." Am folgenden Sonnabend, den 18. September, besuchte ich D. Z—s. S., wo ich eine gute Gelegenheit fand zu mehreren Juden und Jüdinnen von dem Einen, was Roth thut zur Seligkeit, zu reden. Als ich sie gegen Mittag verließ, ging ich vor dem Gebäude vorbei, welches die Synagoge Maimonides genannt wird, und sah Leute daselbst aus und eingehen. Da es nicht die Zeit des Gebets war, so ging ich hinein um zu sehen, was sie daselbst thäten. Die Synagoge liegt wegen des Schmutzes, der sich in den Straßen aufgehäust hat, sehr tief und ich mußte ungefähr ein Dutzend Stufen hinabsteigen, ehe ich mich in diesem alten und geringen Gebäude befand. Die südöstliche Ecke ist abgesondert und bildet einen finstern Raum, in dessen Mitte die irdischen Ueberreste Moses Maimonides ruheten, ehe sie nach dem heiligen Lande gebracht wurden. Nahe an der Thür dieses Gemachs sah ich eine Menge Jüdinnen sitzen, und an der andern Seite lagen kranke Juden und schliefen. Als ich die Frauen fragte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.