Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 3-4 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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56 In vielen Ländern findet der Missionar während der jüdischen Feiertage kaum Zutritt zu den Söhnen Abrahams und nur selten einen unter ihnen, der willig ist, sein Ohr dem zu leihen, was das Heil seiner Seele betrifft. Im Osten macht sie gewöhnlich das Uebermaaß der Ausschweifungen, wozu sie von ihren blinden Führern, den Rabbinen, bei diesen Gelegenheiten ermuthigt werden, fast ganz vergessen ihre Stellung zu ihrem Schöpfer. Mit Ausnahme vom Hersagen langer Gebete, welche aus Prosa und Poesie und einem schwülstigen Jargon bestehen, denkt während dieser heiligen Tage kaum ein Jude an Gott, an die große Erlösung, die er ihnen brachte, zu deren Erinnerung diese Feste eingesetzt wurden, — an das Lesen des heiligen Wortes und an die Betrachtung, ob sie in dem Wege wandeln oder nicht, der ihnen vorgezeichnet ist von dem Erlöser, Wohlthäter und Beschützer ihrer Väter. So aber ist es nicht hier bei den Juden.' 'Obschon sie nicht sind, wie sie sein sollten, so sind sie doch an ihren Sabbathen und Festtagen mäßiger, als ihre Brüder an andern Orten. Da sie während der Woche völlig hingenommen sind von weltlichem Trachten und Streben, so widmen die meisten einen großen Theil ihrer Sabbathe und Feiertage dem Lesen des Wortes Gottes gemeinschaftlich in größeren oder kleineren Partien. Die Ungelehrten gehen zu ihren gelehrteren Nachbarn/ wo sie Stunden lang mit dem Worte Gottes beschäftigt beisammen bleiben, und so habe ich oft schöne Gelegenheit, vielen Juden zusammen das Evangelium zu predigen. Am zweiten Tage des jüdischen Neujahrs verbrachte ich gegen fünf Stunden bei I. B., wo ich sieben Juden fand, welche zusammen das Wort Gottes lasen. Da der Versöhnungstag herannahete, so drehte sich unser Gespräch natürlich um die Buße, (welche nach ihrem mündlichen Gesetze zu dieser Zeit alle ihre Gedanken in Anspruch nehmen soll,) und um die Art und Weise, in welcher wir mit Gott versöhnt werden sollen. Sie hörten mit großer Auftnerksamkeit auf Alles, was ich ihnen sagte, und ich hoffe, daß Gott die Worte, die ich in Schwachheit redete, segnen wird, damit sie eine heilsame Wirkung auf einige meiner Zuhörer ausüben mögen. Als ich im Begriff war sie zu verlassen, fragte ein aus Aden