Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1853-01-01 · 3-4 (1853) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
9 (1853)
Issue
3-4 (1853)
Date
1853-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554644-2554648--01832-2557684
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 nach Tanscher zu senden. Er bat mich bei unserem Charge d’ Affaires und dem Gouverneur daselbst günstig von ihm zu reden und entschuldigte sich vielfach wegen der Art und Weise, in welcher ich beim Landen empfangen wurde. Er gab mir einen Brief an den Caid in Safsee mit, in welchem er ihn ersuchte, mich bei dem nächsten zu empfehlen, und so weiter bis nach Tausch er. Er stellte mir den Direktor des Zollamtes vor, welcher, wie mir gesagt wurde, ein abtrünniger, zum Mahumedanismus übergetretener Jude ist. Die Mauren würden sich freuen, wenn entweder die Engländer oder die Franzosen von diesem Lande Besitz nähmen, um von den tyrannischen und stets ungeheuren Erpressungen des Kaisers frei zu werden. Sie leben in unaufhörlicher Furcht des Lebens und Eigenthums. Der holländische Consul erwies mir große Aufmerksamkeit und führte mich bei mehreren jüdischen Familien ein, mit denen ich über's Christenthum sprach, und wo ich manchen willigen und aufmerksamen Zuhörer fand. Oktober 31. — (Sonntag.) Schon früh am Morgen kamen die Juden nach Schriften; ihre Armuth aber ist so groß, daß sie wirklich nicht den von der Gesellschaft bestimmten niedrigen Preis dafür bezahlen können. Da es Sonntag war, weigerte ich mich irgend ein Eremplar zu verkaufen, gab aber einigen achtbaren, armen alten Juden die Haphtaren und vertheilte Traktate an alle die, welche darum baten. Am Nachmittage machte ich in Begleitung des Herrn C—. dem Judenviertel einen Abschiedsbesuch. Ich ging in vier Synagogen oder Schulen und hatte Gelegenheit das Reich des Messias nahe an 1VVÜ Juden öffentlich zu predigen. Als ich zu einem der Vornehmsten unter ihnen über ihr Elend und ihre Unterdrückung sprach, erhielt ich die Antwort: „Um so viel besser, daß wir leiden, da das ein Beweis dafür ist, daß Gott uns lieb hat; wollte Gott, daß wir noch mehr verfolgt würden, denn dann dürsten wir das Ende unserer Gefangenschaft erwarten." Ich stimmte mit ihm darin überein, daß „der Herr züchtiget, welchen er lieb hat," und daß er auch Israel noch liebt um seiner Verheißung und ihrer Väter willen; aber Israel kennet ihn nicht. Je mehr ihr leidet, sagt der Prophet, desto mehr empört ihr euch gegen Gott. Er forderte mich auf, dies zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.