Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 9 (1853)
- Issue
- 3-4 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554644-2554648--01829-2557681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
scheinbar aus Neugierde, und baten mich um einige Schriften. Ich konnte sie nicht zu einem religiösen Gespräche bewegen/ wie ich gewünscht hätte, jedoch hörten sie ruhig einer langen Erläuterung Moses, des Gesetzes und der Propheten zu. Sie wollten einige Bücher kaufen, aber ich sagte ihnen, daß sie morgen wiederkommen möchten, da ich heute nicht verkaufe, worüber sie sehr erstaunt waren. Dies gab Veranlassung zu einem langen Gespäch über den Sabbath, welchen wir am ersten Tage der Woche zum Gedächtnisse unseres auferstandenen Heilandes feiern. October 25. — In der Erwartung, daß die Juden, die gestern bei mir watenwiederkommen würden, blieb ich bis Mittag zü Hausen Nachmittags begleitete mich der Sohn meines Witthes zu dem Judenviertel, welches von der Stadt der Mauten getrennt ist. Die Thore, welche beide Theile der Stadt trennen, werden alle Abende von den Beamten geschlossen, nur einigen von den angesehenen Familien ist es erlaubt, in der Stadt der Mauren zu wohnen. Das Elend und die Noch, welche unter der Mehrheit der Juden, deren Zahl sich beinahe auf 10,000 beläuft, herrscht, geht über alle Beschreibung. Das Plündern der Berg-Beduinen während der 40 Tage des letzten französischen Bombardements hat schauerliche Spuren ihrer unbarmherzigen Grausamkeit zurückgelassen. Es wird lange Zeit erfordern, ehe sie zu irgend einet Stufe ihrer ftüheren Wohchabenheit gelangen können. Jetzt leben sie in Schmutz und tiefem Elende. Am Eingänge eines jeden Hauses ist ein Misthaufen und ein Behältniß für allerlei Unrath; es ist zum Erstaunen, daß menschliche Wesen in dem schädlichen Dunste, welcher aus der sie umgebenden und in Fäulniß übergehenden Masse aufsteigt, leben können. Und doch ist keiner unter den 10,000 Bewohnern dieses Stadttheils, welcher ein Heilmittel für die verschiedenen Krankheiten, die von Zeit zu Zeit herrschen, verschreiben könnte. Sie sind sich überlassen und müssen der Krankheit unterliegen, wenn sich die Natur nicht selbst hilft. Der arme verachtete Jude muß, wenn er vor einer Moschee vorübergeht, oder den Getreidemarkt betritt, seine Schuhe aüsziehen. Er darf nicht in der Stadt reiten, noch irgend eine Bedeckung auf