Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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195 gefährlich krank. Ich ließ ihn in der Pflege Chachams ($., des Rabbiners und reichsten Juden, welcher mir versprach, ihn um meinetwillen wie einen Bruder zu pflegen. Der arme Mann trennte sich,sehr ungern von mir, und ich gestehe, daß ich nicht ohne großen Schmerz von einem Diener schied, der in Gefahr und Angst, unter Mühe und Arbeit bei mir gewesen, und welcher mein einziger Begleiter war, mit welchem ich mich während den langen ermüdenden Nachtreisen über den Inhalt der heiligen Schrift unterhalten konnte. ES gereichte mir jedoch zum Tröste zu wissen, daß ich ihn bei denen ließ, welche in seiner Krankheit ihn bewachen und für seine Bedürfnisse sorgen würden. Am 7. Mai erreichte ich Kermanschah und stieg inderKaravanserei ab. Viele von den Juden besuchten mich, und in einem Gespräch mit ihnen ergab sich, daß die Einfälle und Grillen, denen einige, alö ich sie letzthin sah, ergeben waren, von gesunden und Schrift gemäßen Ansichten verdrängt worden waren, und ein Ekel an denjenigen rabbinischen Erklärungen, welche das Gemüth beunruhigen, und niemals das Herz rühren, bei ihnen Platz gegriffen hatte. So verbreitet sich der Sauerteig der Wahrheit immer weiter und bereitet dem Herrn den Weg in dieses umnachtete Land. Von Kermanschah nach Bagdad mußte ich eine regelmäßige Bedeckung nehmen, da keine Karavane es wagte, die Reise zu unternehmen, indem das ganze Land bis an die Thore Bagdad 's in einem Zustande von Anarchie und Verwirrung war. Wir wurden zu verschiedenen Malen mit Steinen geworfen und mit Musketen beschossen, und nur in einer Entfernung von vier Stunden von der Stadt (Bagdad) würden wir von einer Schaar Schamar Arabern geplündert und vielleicht zu Gefangenen gemacht worden sein, wenn nicht durch die Vorsehung Gottes eine Anzahl der im Dienste des Paschas stehenden Reiterei zu uns gestoßen wäre. So genoß ich auf dieser ganzen Reise die schützende Fürsorge dessen, der da gesagt hat: „Siehe, ich bin alle Tage bei euch bis an der Welt Ende;" und wenn meine geringen Bemühungen nur im Geringsten dazu beigetragen haben, die Juden in Persien von ihrer todtenähnlichen Empfindungslosigkeit zu einem Gefühl ihrer