Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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189 daß ich die größte Unlust zum Abreisen hatte. Aber da das Frühjahr in Masanderan häufig sehr trügerisch ist, und die Felder und Wege oft Wochen lang überschwemmt sind, so daß an einigen Orten aller Verkehr unterbrochen ist, so hielt ich es für das Klügste, nicht auf die Zukunft zu vertrauen. Unser Weg ging nach Nord- West über verschlungene und verworrene Reisfelder, wo wir oft mehrere Fuß tief durch -den vom Regen aufgeweichten, bebauten Boden waten mußten, — eine Arbeit, schon ermüdend genug, wenn das Wetter schön ist, aber vollkommen erschöpfend, wenn Wind und Regen sich mit einander vereinigen, dem Pilger ans seiner Reise entgegen zu'treten. Um S Uhr erreichten wir Amul, die dritte von den großen Städten dieser Provinz. Sie ist eine bedeutende Stadt, von dem Fluß Hesar getheilt, der sich in das kaspische Meer ergießt. Das Klima um Amul ist bei weitem gesunder als bei Balfrusch, und die Einwohner haben nicht nöthig, in ihr Geilak, oder kalte Gegend zu gehen, wie die meisten Bewohner der andern Städte und Dörfer von Masanderan zu thun pflegen; sondern sie bleiben ohne irgend eine Unbequemlichkeit während der heißen Zeit in ihren Wohnungen und treiben ihr gewöhnliches Geschäft. Ich stieg in der Karavanserei, der Heimath der Reisenden, ab. Der Eigenthümer, welcher Schuhmacher war, und zugleich einen Kaufladen hatte, gab mir die Stube, welche seinen ganzen Reichthnm enthielt, zu meinem Gebrauche; aber ich fand bald, daß sie der Ort des Stelldichein für alle Müssiggänger dieses Stadttheils war, welche ihre Zeit mit höchst unzüchtigen und unkeuschen Vergnügungen tödten. Daher aus meiner Wohnung vertrieben, suchte ich im Stalle einen Zufluchtsort, wo ich von den wenigen jüdischen Kaufleuten, welche hier wohnen, besucht wurde. Vier von ihnen waren während des Osterfestes in Bagdad gewesen und hatten folglich viel vom Christenthume gehört, was sie ihren Freunden wörtlich mittheilten. Sie freuten sich sehr, mich zu sehen und von meinen Lippen die glorreiche Botschaft des Lebens und der Unsterblichkeit zu hören, von welcher ihre Freunde gesprochen hatten. Sie blieben bei mir bis es beinahe Nacht wurde, und dann verließen sie