Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Am SS. ging ich in das Judenviertel und besuchte einige der Mullahs; sie waren freundlich und höflich, aber ganz gegen jedes religiöse Gespräch. Ich habe es stets bestätigt gesunden, daß, wo europäische Laster und der Götzendienst verfallener Kirchen bekannt ist, das Gemüth der Juden voll Vorurtheil und der Zutritt zu ihnen schwer ist. Einer der Mullahs, der redseliger als die andern zu sein schien, sagte mir: „Sie sind uns nicht fremd; wir haben Sie schon gesehen und uns mit Ihnen unterhalten, und wir lieben Sie als einen Bruder, weil wir wissen, daß Ihre Absicht ist, uns Gutes zu thun, und unsere Wohlfahrt zu befördern; aber da hier Engländer, Deutsche, Russen und Armenier sind, welche an das Neue Testament glauben, so bringen Sie erst bei diesen eine Veränderung hervor, und dann kommen Sie zu uns." Ich fühlte die ganze Kraft dieses Arguments, und die einzige Antwort, die ich ihm geben konnte, war die, daß das Betragen eines Menschen, wie es nur immer beschaffen sein mag, vorsätzlichen Unglauben nicht rechtfertigt, denn als moralische Wesen müssen wir uns von der Offenbarung vom Himmel, aber nicht von den Handlungen sterblicher Sünder leiten lassen. Ich vertheilte einige Traktate, und sie alle versprachen mir, mich zu besuchen. März 30. — Meine Bekannten hielten Wort, sie besuchten mich zahlreich. Ich zeigte ihnen unsere Bücher, sie bewunderten aber mehr den schönen Druck derselben, als ihren »nichtigen Inhalt. Das Gebetbuch.unserer Kirche gefiel ihnen sehr, und besonders die Liturgie, welche sie zwei Mal durchlasen. Ich fragte sie, was sie von der Dreieinigkeit dächten, woraus sie mit scheinbarer Bescheidenheit und Schlichtheit antworteten: „Wir wissen sehr wohl, daß Sie alle Ihre Behauptungen aus dem Worte Gottes beweisen, da aber Ihre Lehren denen unserer Rabbinen entgegen sind, können wir ihnen nicht unfern Beifall geben." Ich ermahnte sie, ihr Ohr nicht gegen die untrügliche Wahrheit der Schrift zu verschließen, und gleich bethörten Wesen Finsterniß dem Lichte und Jrrthum der Wahrheit vorzuziehen, und so den Zorn und das Gericht Gottes auf sich zu laden. Sie blieben ganz ohne Eindruck, und ich konnte in meinem Herzen nur beten, daß das Haupt der Kirche sich ihrer Seelen erbarmen