Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1852-01-01 · 10-12 (1852) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
8 (1852)
Issue
10-12 (1852)
Date
1852-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554635-2554643--01753-2557602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

177 lichen Erlöser im vollen Einklänge mit der Schrift und dem phantastischen Systeme des Rabbinismus weit überlegen sei, welches nur die Augen'verblende und das Volk knechte. Er würde den ganzen Tag bei mir geblieben sein, wenn ihn nicht ein Diener desNagib-e-Sultani, Onkel des gegenwärtigen Königs, zu Sr. Königlichen Hoheit gerufen hätte, dessen Arzt er während der letzten Monate gewesen ist. Des Abends machte ich ihm meinen Gegenbesuch, und von sechs bis zehn Uhr beschäftigte uns ein Gegenstand, die Erlösung durch das Blut des Messtas. Als ich wegging sagte ich zu ihm: „Herr Doctor, ich hoffe, daß die Botschaft von der erlösenden Liebe bald aufhören wird, nur ein Gegenstand für die Lippen zu sein, sondern daß sie im Herzen gefühlt werde und Sie und die Ihrigen selig machen wird durch den Glauben an das Opfer und den Tod unsers anbetungswürdigen Heilandes." „Das Herz kennt seine eigene Bitterkeit" war seine Antwort, und nach einer kurzen Pause rief er mit sichtlicher Bewegung: „Wir sind in Persien, wo das Schwerdt der Verfolgung über unserm Haupte hängt, und wehe uns, wenn wir durch irgend eine voreilige That die Rache unserer Feinde reizen. Davon aber können Sie versichert sein, daß jetzt in Kaschan Viele Christum und sein Evangelium eben so sehr lieben, wie sie früher jenen verwarfen und dieses verachteten." O, beten Sie für dieses in Nacht gehüllte Land, vielleicht erhört Gott das Gebet und entfernt die Hindernisse, welche jetzt die herrliche Entwickelung der Kraft des Evangeliums verhindern. Am 25. setzten wir wieder unsere Reise weiter fort. Unser Weg führte uns über eine öde und unfruchtbare Wüste, wovon ein Theil mit schlimmer Vorbedeutung „das Thal des Schatten des Todes" — Mellek-el-Moat — genannt wird, und der Name ist nur ein schwaches Bild von der Oede und Einsamkeit des Ortes. Bei unserer Annäherung an die Hauptstadt änderte sich der Schauplatz einigermaßen, indem Dörfer und Gärten die ungeheure Ebene beleben. Am 29. betraten wir die Stadt, und ich war so glücklich, eine gute und reine Wohnung zu bekommen; das war ein Vergnügen, dessen ich mich nicht zu erfreuen gehabt hatte, seitdem ich Bagdad verließ.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.