Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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März 7. — Nach Sonnenaufgang verließ ich »»eine dunkle Wohnung, und nahm meinen Weg durch ein Labyrinth von Straßen und Gassen voll Schnee nach dem Judenviertel. Ich ging geradezu nach dem Hause des Oberrabbiners Chacham Elijahus, eines Mannes von bedeutender Gelehrsamkeit und großem Einflüsse. Er empfing mich mit allen Zeichen der Freude, und lud mich mit scheinbarer Aufrichtigkeit ein, bei ihm zu wohnen, eine Ehre, welche ich aus verschiedenen Gründen glaubte ablehnen zu müssen. Die Nachricht von meiner Anwesenheit in der Stube des Rabbi verbreitete sich mit der größten Schnelle von Haus zu Haus , und kaum waren einige Minuten vergangen, so wurde ich von einer großen Menge Juden umgeben, von denen einige um Bücher baten, und andere sich nach der Ankunft des Messias erkundigten. Den Letzteren antwortete ich mit den Worten unsers Herrn, Matth. 23, 37 — 39. Darauf erwiederten sie, daß das Neue Testament keine zulässige Autorität sei. Ich las ihnen nun Sach. 9, 9 vor, und verglich diese Stelle mit Daniel 7, 13 u. 14. Der Rabbi versuchte diese beiden Stellen durch das rabbinische Sophisma mit einander zu vereinigen, daß wenn Israel gerecht sei, der Messias gleich einem Sieger in den Wolken des Himmels kommen werde, wenn Israel aber nicht gerecht sei, dann würde er kommen im Gewände der Niedrigkeit reitend auf einem Esel. Ich zeigte ihnen die Unhaltbarkeit solcher trügerischen Schlüsse und Ausflüchte, und ermahnte sie ernstlich, die Bibel und nicht den Unsinn der Chachamim (Weisen) zur Regel ihres Glaubens und zum Grunde ihres Bekenntnisses zu machen. Sie versprachen mir alle, mich zu besuchen, und da es der Ruhe-Sabbath war, so empfahl ich mich und begab mich in meine Wohnung. März 8. — Früh Morgens besuchten mich Mullah Elijahu, Mullah Elieser und andere. Ich zeigte ihnen die Bücher und Tractate, welche ich mitgebracht hatte; sie durchblätterten sie, und fragten dann, warum wir uns auf rabbinische Stellen beriefen und doch ihr göttliches Ansehen nicht zugeben wollten. Ich sagte ihnen, daß es unsere Absicht sei, sie aus ihren eigenen verehrten Commentaren von den wichtigen und erhabenen Wahrheiten zu über- 12*