Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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163 sprechen. Ich aber sagte ihm, daß, da alle Sünder wären und eines Heilandes bedürften, es meine Pflicht sei, die seligmachende Botschaft in einer Sprache zu verkündigen, welche von Allen verstanden werde. Dies rief das „barak Allah" (Gott segne Sie) aus mehr als hundert Stimmen hervor. Nachdem ich meine Ansprache beendigt hatte, bemühten sich die Mullahs ihren Eindruck durch Gegengründe und Einwendungen zu schwächen; sie wurden aber von ihren eigenen Leuten zum Schweigen gebracht, welche riefen: „Warum sind wir unter dem Joche der Jsmaeliten und werden von ihnen wie der Staub unter ihren Füßen zertreten? Warum werden wir von ihnen unsers Eigenthums beraubt, und warum nehmen sie, wenn es ihnen gefällt, unsere Töchter in ihre mit Lastern befleckten Häuser? Wahrlich, unsere Sünden und unser Unglaube sind die Ursache dieses Elends!" Sogar die Frauen, welche wegen ihrer Unwissenheit gewöhnlich sehr bigott und im Fluchen sehr berühmt sind, überhäuften mich zu meinem Erstaunen mit Segnungen, zu orientalisch als daß sie übersetzt werden könnten. Mögen die zu ihnen gesprochenen Worte eine bleibende Stätte in ihren Herzen finden, und bald Früchte des Friedens und der Gerechtigkeit tragen zum Preise und Ruhme des Herrn. Auch erhielt ich verschiedene Besuche von angesehenen Mahometanern, mit denen ich lange religiöse Gespräche hatte. Ich trank heute Thee in dem Hause eines reichen Kaufmanns, wo ich mit einem Mirza, oder einem von den Gelehrten zusammen traf, welcher sagte: „Es giebt in der Welt zwei Religionen, welche die meisten Anhänger haben, die Religion des Korans, und die Religion des Evangeliums; aber während die eine den Osten schwach und dumm gemacht hat, hat die andere Europa weise und mächtig gemacht: welche kann daher als die vom Himmel am meisten begünstigte angesehen werden?" Niemand erwiederte ein Wort, sondern einer sähe den andern an in vollkommener Verwirrung. Am 1. März beabsichtigte ich meine Reise fortzusetzen, da aber das Wetter sehr stürmisch und rauh war, so blieb ich noch eine Nacht in meiner bescheidenen Herberge in Kermanschah. Am zweiten