Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554635-2554643--01735-2557584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
159 wurde von allen besucht, und ihr Wunsch, daß ich meinen Aufenthalt dort verlängern möchte, war höchst ermunternd. Einige von ihnen, unter denen auch der Vorbeter in der Synagoge war, blieben bei mir bis 11 Uhr Abends und hörten mir ehrfurchtsvoll und mit großem Ernste zu, als ich sie auf Christum hinwies, als den Schutz der Sünder und Heiland der Welt. Ich hatte ihnen versprochen, am nächsten Morgen in ihre Synagoge zu kommen, aber mein Mauleseltreiber war in solcher Angst bei dem Gedanken, über das berüchtigte Gebirge, welches die Grenze zwischen der Türkei und Persien bildet, allein zu reisen, daß ich seinen Gegenvorstellungen nicht widerstehen konnte. Wir verließen daher den Ort in Gesellschaft einer zahlreichen Karavane von Pilgern, und obschon die hellen Strahlen der ausgehenden Sonne noch hinter den Nebelwolken verborgen waren, so verhinderte doch diese unbequeme Zeit nicht meine jüdischen Freunde, ihr Lager zu verlassen, um mir ein Lebewohl zu sagen. Der erste Theil unserer Reise ging über eine wüste Ebene, welche der Regen so aufgeweicht hatte, daß sie ein vollkommener Sumpf war, und unsere Maulthiere bis an den Bauch durch den dicken Schlamm hindurch waten mußten. Als wir uns den Bergen näherten, wurde der Weg besser, aber dagegen hatte sich die Angst vor Räubern gänzlich unserer Karavane bemächtigt, und die vorher lustige Reitergesellschaft bewegte sich nun gleich einem Leichenzuge vorwärts. Als wir jedoch die Karavanserei zu Kors-i-Scherin zu Gesichte bekamen, verlor sich diese Besorgniß, und unsere Gesellschaft feuerte mit scheinbar tapferm Heldenmuth und mit Herausforderung ihre geladenen Flinten und Pistolen ab, welche im Falle eines wirklichen Angriffs, wie ich fürchte, nur sehr geringen Widerstand geleistet haben würden. Der Sohn meines Wirthes in Khan akin erzählte mir, daß erst vor wenig Tagen eine Karavane von tausend Pilgern von nur wenig kühnen Kurden geplündert worden sei. Die Karavanserei, in die wir auf unfern Maulthieren hinein reiten mußten (wegen des vielen Schmutzes und Kothes, der sich innerhalb ihrer Mauern aufgehäust hatte) war dessen ungeachtet vollgepfropft von geschwätzigen lebenden Pilgern und tausenden in