Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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154 verklären, einer schnöden „Aufklärung" huldigt, die im Grunde nichts ist, als — der krasseste Materialismus; wenn Israel, statt einzusehen, daß seine Religion erst recht für solche Zeiten geschaffen ist, in denen der gesunde Menschenverstand für Thorheit, das gesunde Herz für Narrheit, und all die tiefen Töne des Göttlichen in uns für Mißklänge gehalten werden; in denen die Lehre von Gott, Seele, Gottebenbildlichkeit und Unsterblichkeit, in denen Gebet, Gottesdienst, fromme Uebung zu Nichts verflüchtigt werden, für solche Zeiten geschaffen, um in ihnen einen Felsengrund für die Wahrheit und das Recht und die Liebe abzugeben, diesen selbst verläßt und aufgiebt, um dafür — ein trostloses Nichts einzutauschen. Die Zeit der Schmach ist für Israel wahrhaft angebrochen, wenn es seine Religion verachtet, schmäht und verläßt. Das ist eine Schmach des Geistes, eine Schmach von innen, eine Knechtschaft des Geistes, eine Entwürdigung des Geistes — „Herr, bewahre uns, daß wir nicht zu Schanden werden, ein Sprüchwort und eine Schmach unter den Völkern!" Muß hier der Leser nicht fragen: Was ist Wahrheit? Das Bild der gänzlichen Zerrissenheit, Zerfallenheit und des Abfalls von der Religion und folglich auch von Gott, das uns die Allg. Zeit. d. Jud. hier von denZuständen des Judenthums und der Juden entwirft, oder das herrliche Bild der Einheit und Treue in der Religion, das ste uns von den Juden sonst so oft schon vor die Seele gestellt hat? Eins kann doch nur wahr sein, entweder das erste oder das zweite. Wollte man uns antworten: Ja, wenn auch Israel in sich zerfallen ist und sich sonst wenig oder gar nicht um Religion bekümmert, so ist es doch in Einem einig, nämlich in der Lehre von einem außerweltlichen Gott, von Seele und Unsterblichkeit. Aber fragen wir: Sind darin nicht auch alle Seelen und Partheien der Christen einig, ja sind sie darin nicht blos unter sich einig, sondern auch mit den Juden? und würden sie darum nicht ebenfalls so gut wie die Juden zu den Bekennern der wahren Religion gezählt werden müssen, wenn die Rechtgläubigkeit allein in diesen drei Worten bestände? Oder besteht denn die Religion Israels, die Religion Mosis allein in diesen paar Worten? Ist nicht das ganze Gesetz, das Moralgesetz, wie das Zeremonialgesetz von Gott gegeben? Gehören sie nicht beide