Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 10-12 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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153 „Eine Zeit der Schmach erschien jene Zeit, wo die Abkömmlinge Juda's, von aller Wissenschaft und Kunst fern, von allem Streben nach Bilvung und Gesittung unberührt, selbst im Kreise des Judenthums nicht nach Erkenntniß dürsteten, sondern, alles höhern Aufschwungs baar, Nichts weiter als das Studium des Zeremonialgesetzes trieben, das Gewebe desselben immer weiter verästelnd und verwirrend." „Aber wie soll man dann diejenige Zeit bezeichnen, in der weder bürgerliche Schranken hemmen, noch Anerkenntniß eines fortgesetzt redlichen Strebens ganz fehlt, in der alle Pforten der Wissenschaften und Künste offen stehen, Gesittung und Bildung ihre Kränze flechten — aber die Erben der Lehre Mosis entweder diese verschmähen und fliehen, oder mit so gleichgiltigem, mit so nichtssagendem Auge betrachten, als ob sie für sie gar nicht eristire und verschwunden sei in dem Nebel der Vergangenheit? wo sie ihre Jugend so spät wie möglich und so flüchtig wie möglich mit deren Verstand und Inhalt bekannt machen und die Fäden, welche diese Jugend an ihre Religion knüpfen sollen, so lose, so lose winden, daß sie reißen mögen über Nacht? wo sie wie Mißbrauch so Brauch, wie Satzung so Gesetz, wie Glaube so Lehre von sich weisen, und Nichts, Nichts ihnen übrig bleibt, als der dürre gesellschaftliche Standpunkt, der ihnen einmal angewiesen ist?" „Wenn es wahr ist, daß der Maßstab für die Beurtheilung aller menschlichen Zustände nur von dem Bewußtsein, von dem Gedanken, der in ihnen enthalten, hergenommen werden kann; wenn es wahr ist, daß, da aller menschlicher Werth nur relativ ist, dieser nur aus dem geistigen Standpunkt, den der zu beurtheilende Mensch einnimmt, erfließt — dann, fürwahr! sind jene Zeiten, die man Zeiten der Schmach nennt, viel weniger als Solche zu brandmarken, denn diejenige Zeit, in. welcher Bewußtsein und Klarheit in die Geister gekommen, und sie nur dazu gemißbraucht werden, um der höchsten Erkenntniß und Liebe zum Göttlichen den Rücken zuzuwenden. ..." „Die Zeit der Schmach für Israel ist in Wahrheit erst dann angebrochen, wenn es, statt in seiner Religion sich zu klären und zu