Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 9 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 die Botschaft bringen, die wir ihm bringen sollen, und sie dann sich selbst überlassen, zu ihrer Zeit Früchte zu tragen." Nachdem der Herr Doctor über den Unterschied des Werkes unter Juden und Heiden gesprochen und an einem Beispiele gezeigt hat, wie man mit den Juden umgehen müsse, fährt er also fort: „Was haben wir für sie gethan? Ist es die bloße Weigerung, die Wahrheit zu verbreiten? Ist es die bloße Vernachläßigung einer christianisirenden Bemühung zu Gunsten der Juden, womit Ihr belastet seid? Habt Ihr irgend Etwas gethan in Euerm Umgänge und Eurer Handlungsweise mit den Juden, die Religion Jesu in ihren Augen liebenswürdig zu machen, damit sie dieselbe annehmen möchten? Habt Ihr irgend Etwas gethan, das sie dahin führt, die Religion Jesu in irgend einem andern Lichte zu betrachten, als in dem, daß sie eine Religion ist, welche die gröbsten Formen der Beleidigung, die schwersten Verfolgungen billigt, die dem unterdrückten und gesunkenen Volke zugefügt werden konnten? Nun, aus unser« eigenen Vaterlande war der Jude nicht nur drei hundert Jahre hindurch vertrieben, sondern eS gab auch keine Art von Beleidigung, der zu unterwerfen Ihr ihn nicht genöthigt hättet, als Ihr ihm endlich erlaubtet zurückzukehren. Er durfte kein Eigenthum haben, sein Zeugniß hatte vor Gericht keine Gültigkeit und alle Bürgerrechte wurden ihm verweigert; er wurde genöthigt Straßenzoll zu zahlen, und Eure Kinder wurden gelehrt, seinen jüdischen Kittel zu bespucken. Durste man erwarten, daß er irgend ein ander Gefühl nähren sollte, als den festgesetzten und eingewurzelten Haß gegen eine Religion, welche einem solchen Systeme der Verfolgung ihre Billigung gab, oder daß er die Beleidigungen, soviel er konnte, nicht wieder vergelten sollte, welche bei den Christen von dem Vater auf den Sohn gegen ihn und sein Volk fortgepflanzt wurden? Meine christlichen Freunde, wir haben Ursache uns zu schämen und uns zu demüthigen wegen der Behandlung, welche der Jude von uns erfahren hat, und eS ist Zeit, daß wir sowohl zu unserer Warnung, als auch zu unserer Ermuthigung uns daran erinnern, von wem geschrieben steht: „Gesegnet sei, der dich segnet, und verflucht, der dir fluchet."