Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 8 (1852)
- Issue
- 1 (1852)
- Date
- 1852-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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II dem die Juden sehen sich auch von den Christen MÜSgestoßen, verachtet und verspottet. Wie sollen sie unter solchen Verhältnissen auch nur ein Verlangen haben, sich mit den Lehren des Christenthums bekannt zu machen? Wenn man dies nun aber dessenungeachtet sogar von ihnen fordert, so verlangt man etwas von ihnen, was man von keinem Christen, ja von keinem andern Menschen verlangt. Sobald man das Alles nur einiger Maßen beherzigt, wird man gewiß auch eine eryste Aufforderung zur Theilnahme an der Mission unter Israel darin sinken; und diese Aufforderung wird noch ernster, wenn man dabei noch den gegenwärtigen Zustand der Juden in Betracht nimmt. Wir wollen jedoch jetzt nicht näher auf diesen Gegenstand eingehen, sondern bemerken nur im Allgemeinen, daß er von der einen Seite ein ganz verzweifelter und trostloser, von der andern aber auch ein viel versprechender ist. Aus fast allen Gemeinden Israels ertönen Wehklagen über den Verfall der väterlichen Religion, über Streitigkeiten und Partheiungen, über Zerwürfnisse und das Zusammenbrechen des Bestehenden. Die Gleichgültigkeit gegen die Religion, etwas bei den Juden bisher fast Unerhörtes, nimmt mehr und mehr überhand, und Alles ist dazu angethan, daß die meisten Juden entweder dem flachsten Rationalismus oder dem völligen Unglauben verfallen müssen. Für die Misstonsthätigkeit können wir diesen Zustand jedoch keinesweges ungünstig nennen, sondern müssen ihn vielmehr als einen viel versprechenden bezeichnen. Israel ist ein Volk der Religion, und der Jndifferentiömus oder die Gleichgültigkeit wird, wie weit sie auch um sich greift, doch nie recht feste Wurzel fassen können; bei einem geringen Anstoße wird sich gar bald die Theilnahme für Religion wieder regen. Dadurch aber, daß das alte talmudische Gebäude zusammenbricht, werden die Juden von tausend Vorurtheilen, von dem finstersten Aberglauben und, was das Größte ist, von einer sonst von Jugend auf eingepflanzten Feindschaft gegen den Herrn Jesum befteit, und werden dagegen zugänglicher und offener für die Lehren des Christenthums gemacht. Welch ein ungeheurer, fast unglaublicher Umschwung seit den letzten 20 Jahren gerade in dieser Hinsicht unter den Juden stattgefunden hat, das wissen die am besten, deren Beruf es ist, täglich mit den Juden zu verkehren. Am deut-