Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1851-01-01 · 12 (1851) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
12 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554626-2554634--01552-2557394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

179 eine Reformation, und das mit Recht. Allein einem solchen Werke treten unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Eine Religion reformiren heißt, sie zu ihrer ursprünglichen, von ihrem Stifter ihr gegebenen Form und Gestalt zurückführen, sie in ihrer Ursprünglichkeit wieder Herstellen. Wenn daher das Judenthum reformirt werden soll, so würde vor allen Dingen der Opserdienst mit dem Priesterthume wieder hergestellt werden müssen. Das aber ist für jetzt durchaus ein Ding der Unmöglichkeit, indem der Opferdienst an Jerusalem gebunden ist. Israel würde daher vorerst wieder in das Land seiner Väter zurückgeführt werden, und dasselbe als sein Eigenthum in Besitz nehmen müssen, bevor es an eine Wiederherstellung seiner Religion, wie sie von Moses gegeben wurde, denken kann. Aber auch selbst dann, wenn dieses Hindemiß beseitigt wäre, wenn Israel wirklich wieder in sein Land eingesetzt werden sollte, würde eine solche Reformation fast unmöglich sein. Nach welchen Grundsätzen sollte das Priesterthum wiederhergestellt, und namentlich der Hohepriester gewählt und gesalbt werden? Und würden auch diese Schwierigkeiten-beseitigt, so würden sich ohne Zweifel die meisten Juden, nicht nur die neueren aufgeklärten, sondern auch die orthodoren der Wiedereinführung der Opfer aus allen Kräften widerfetzen,. als eines gottesdienstlichen Gebrauchs, welcher durchaus nicht mehr zeitgemäß ist. Hat man nun aber die Wiederherstellung des Opferdienstes aufgegeben, so hat man auch jeden festen Grund und Boden zu einer Reformation des Judenthums verloren, und ist auf ein Gebiet getreten, wo der Willkühr der Ansichten und Meinungen Thür und Thor geöffnet ist, und wo Verwirrung und Auflösung der Religion erfolgen muß. Es ist dies das Gebiet des eigenen Geistes. Auf diesem Gebiete giebt es keine Schranken; Jeder kann die Richtung einschlagen, die ihm am besten gefällt; Jeder hat das Recht, seine Meinung und Ueberzeugung geltend zu machen und als Regel und Richtschnur der Lehre und des Glaubens aufzustellen, und daher von der Religion seiner Väter nur das beizubehalten, was mit seiner Meinung und Ueberzeugung übereinstimmt. Denn mit demselben Rechte, mit welchem man den Opferdienst als veraltet und nicht mehr zeitgemäß betrachtet, und auf- und drangiebt, kann man auch m*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.