Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 10-11 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 Geiste," „vom Volksglauben und Volkssitten, so jedoch, daß die eigentliche Lehre und das wesenhafte Gesetz Israels nicht davon berührt wurde." Auch giebt er zu, daß die heidnische Philosophie nicht ohne Einfluß auf die gelehrten Juden gewesen sei, aber dieser sei nur ein allgemein bildender, niemals ein unmittelbar gestaltender gewesen. Endlich übt auch die Neuzeit ihren Einfluß auf das Judenthum, und zwar einen größeren und nachhaltigeren, als zu irgend einer andern Zeit auf dasselbe gewirkt worden ist. Aber auch dieser zeigt sich nur „als ein ästhetischer und als ein kritischer." Das Judenthum soll dadurch nur „von den Abgeschmacktheiten und Mißformen" gereinigt, es soll dadurch „das Wesentliche vom Unwesentlichen, das Ursprüngliche vom Angebildeten, das Ewige vom Zeitlichen" getrennt und gesichtet werden, „um das immer und überall Geltende von dem was Zeit und Ort Hervorbringen und bedingen zu scheiden." Wir müssen gestehen, daß uns hier der Verstand stille steht. Das Judenthum soll, wie es ursprünglich die Wahrheit und das Recht gelehrt hat, und der ganzen heidnischen Welt gegenüber trat, durch seine ganze Geschichte hindurch auch ebenso selbstständig und unabhängig geblieben sein, und doch ist es zu keiner Zeit von andern Religionen, selbst nicht vom Heidenthume ohne Einfluß geblieben! Und doch haben, sich demselben „Abgeschmacktheiten und Mißformen" ausgeprägt, von denen es gereinigt werden muß! Und doch muß es in Formen umgestaltet werden, die „dem Geschmacke der Zeit, -dem geläuterten und gebildeten Geiste zusagen." Und doch giebt es so viel Unwesentliches, so viel Angebildetes "so viel Zeitliches und Oertliches, das Alles ausgeschieden werden muß! Die jüdische Religion hat ununterbrochen in 106 Generationen, von Moses bis auf den heutigen Tag, über 3300 Jahre, durch alle Stürme und allen Wechsel der Zeiten und Zonen hindurch, „ihre geistbelebende Herrschaft-geübt," und doch hat sie.stch Abgeschmacktheiten und Mißformen unterworfen. Und doch'ist sie, wie man fast in jeder Nummer der Allgm. Z. d. Judenth. die Klagen vernimmt, nicht blos in einen geistlosen, sondern in einen geisttödtenden Formalismus verfallen, wovon sie befteit werden muß, aber nur mit der größesten Anstrengung befreit werden kann! Und doch muß sie sich auch jetzt