Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 10-11 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lassen kann, was er will, so mögen solche Fälle wohl öfters vorgekommen sein, ohne daß man etwas davon erfährt. Das Bezeichnendste dabei ist aber das, daß viele von den gelehrten Rabbinern die Erklärung abgegeben haben, die Beschneidung gehöre nicht zudem Wesen des JudenthumS, ein Kind von jüdischen Eltern geboren, gehöre auch ohne Beschneidung dem Judenthume an. Wir finden dies ganz folgerichtig, nicht blos nach der Religion des Geistes der Zeit, sondern überhaupt nach dem Grundsätze, daß man fich eigenmächtig und ohne göttliche Autorität von der Erfüllung dieses oder jenes Gebotes entbinden könne. Denn wir sehen in der That nicht ein, was den Juden, der die mosaischen Speisegesetze nicht beobachtet, also Schweinefleisch ißt, an der Uebertretung des Sabbaths hindern sollte, oder wie der Jude, der da meint sich der Pflicht der Heilighaltung des Sabbaths entziehen zu können, ohne daß ihn der Fluch des Gesetzes treffen werde, noch die Beschneidung für verbindlich halten sollte. Denn nehme ich mir erst das Recht, eins von den Gesetzen aufzulösen, warum sollte ich mir dann nicht das Recht nehmen können, sie alle auszulösen? Die Einwendung, daß denn doch ein Unterschied zwischen den verschiedenen Geboten stattfinden müsse, können wir hier nicht gelten lassen. Die Frage würde vielmehr die sein, ob das Gesetz von Gott gegeben ist, oder nicht. Ist es von Gott, dann darf ich es nicht lösen, und wäre es auch das kleinste Gebot, und wenn ich eins der Gebote übertrete, so mache ich mich der Uebertretung des ganzen Gesetzes schuldig. Ich versündige mich mit jeder Uebertretung an Gott. Wir geben allerdings gern zu, daß viele von den mosaischen Gesetzen, und zwar sehr wichtige, wie die von den Opfern, gar nicht mehr gehalten "werden können. Aber das beweist doch nicht, daß man nun auch nicht mehr länger verflichtst sei, den Sabbath oder die Beschneidung oder selbst auch das Speisegesetz zu beobachten; sondern das beweist nur, daß.die jüdische Religion, wie sie sich seit der Zeit gestaltet hat, in der That nicht mehr die Mosaische, sondem eine ganz andere Religion ist. Die Rabbiner haben zwar eine Menge Verordnungen erlassen, um die Opfer damit zu ersetzen und die sonstigen Lücken in der Religion, welche durch die Zerstörung des