Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 10-11 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554626-2554633--01519-2557360- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
147 wie gesagt, wir wollen mit ihm nicht über den Ausdruck „positive Religion" rechten, sondern denselben dahingestellt sein lassen und zur Hauptsache der aufgestellten Sätze übergehen. - Nun ja, wenn Herr Dr. Philippson unter Judenthum den Mosaismus oder die Religion versteht, die von Moses gelehrt und gestiftet worden ist, dann haben wir gegen seine Behauptung nicht soviel einzuwenden. Denn das wird wohl Jedermann gern zugeben, daß der Mosaismus älter ist, als das Christenthum und der Muhamedanismus und selbst auch als der Buddhaismus. Auch dagegen wird Niemand etwas einwenden, daß die Mosaische Religion die Mutter des Christenthums ist, bei dem Islam möchten schon eher einige Bedenken dagegen erhoben, bei dem Buddhaismus aber möchte dies sogar von Vielen stark bezweifelt, wenn nicht völlig geleugnet werden. Endlich ist es auch wahr, daß der Mosaismus dadurch einem großen Theile der Menschheit seinen eignen Charakter ausgeprägt hat, was am meisten bei dem Christenthume der Fall ist, bei dem Islam schon viel weniger, bei dem Buddhaismus aber am wenigsten, indem sich bei ihm wohl kaum eine Spur davon finden wird. Aber Herr Dr. Philippson versteht auch unter Judenthum gar nicht die Religion, wie sie von Moses gelehrt worden ist, und kann sie auch gar nicht damit meinen, da ja die Mosaische Religion seit der Zerstörung des Heiligthums, also seit beinahe 1800 Jahren nicht mehr gehalten und ausgeübt worden ist, und auch nicht gehalten werden konnte. Oder gehörte etwa der Opferdienst und alles, was damit verbunden war, nicht zur Mosaischen Religion? War nicht er gerade die Hauptsache, das eigentliche Wesen der Religion, die Moses seinem Volke gab? Wer möchte das leugnen wollen? Die Mosaische Religion also kann Herr Dr. Philippson nicht meinen, was er aber meint, das deutet er in folgenden Sätzen an. Er fährt nämlich fort und sagt: „Unsere Religion ist in ihrer Wesenheit durch alle Zeiten dieselbe gxblieben, und hat sich niemals in Sekten aufgelöst und zersplittert." — 7,Auch in der Gegenwart ist die Anhänglichkeit an ihr nicht gewichen, und stlbst in der vor sich gehenden Umwandlung ihrer 10* '