Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 6-7 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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109 Brechmittel bei sich, im Fall seine Mutter so thöricht und verblendet sein sollte, ihm den tödtlichen Trank zu reichen. In der vergangenen Woche sandte sie mir eine höchst beleidigende Botschaft, indem sie von mir forderte, ihr zu sagen, welches Recht ich hätte, ihr Kind (es ist gegen SS Jahr alt und hat einen langen Bart) von der Religion seiner Väter abwendig zu machen. Der arme Mann darf keins von meinen Büchern mit nach Hause nehmen, und verweilt daher täglich einige Stunden in meinem Hause, um das Evangelium, den wahren Israeliten und andere Bücher zu lesen. Er verräth nicht das geringste Zeichen von Schwäche; aber dessen ungeachtet befürchte ich, daß die Rückkehr seines Vaters seine Auftichtigkeit und Standhaftigkeit über seine Kräfte auf die Probe stellen wird. Möge Gott ihm Gnade geben bis ans Ende auszuharren! Der dritte ist ein Jude aus Oleppo, ein großer Talmudist, und war ftüher von dem Ober-Rabbi beschäftigt. Da er ein Fremder ist, so wird er nicht mit vielen Widerwärtigkeiten zu kämpfen haben; sein größter Feind ist ein eigengerechter Stolz, der ihn mit selbstgemachtem Vertrauen aufbläht und ihn verhindert, zu einer erfahmngsmäßigen Erkenntniß der schweren Krankheit der menschlichen Seele zu gelangen. Mehrere Andere, die weder kalt noch warm sind, kommen zu mir in Unterricht. Gleich den meisten Juden in Bagdad besitzen sie keine Auftichtigkeit des Herzens oder Geistlichkeit des Gemüths. Heimlich bekennen sie sich als Christen, aber öffentlich machen sie einen prahlerischen Aufwand von jüdischer Frömmigkeit, um das wachsame Auge ihrer feindlichen Brüder zu täuschen. Sie dienen zwei Herren, hangen aber keinem von beiden treu an. Das Depot von Büchern beweist sich fortwährend als ein schätzbares Hülfsmittel in meinem Berufe. Seit dem ersten dieses Monats habe ich E— beschäftigt, mich zu unterstützen, und dasselbe zu besorgen, wenn andere Berufsgeschäfte mich daran verhindern. Dies hat unter den Juden großes Erstaunen und große Aufmerksamkeit erregt, denn bisher glaubten sie, daß nur feile Beweggründe oder Widerspruch gegen den Talmud und seine Vertheidiger einen Juden bewegen könnten, seinen Glauben zu ändern. Aber zu sehen, daß ein alter achtbarer Jude sich selbst dem Werke des Herm hingiebt, und mit Ernst