Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 3-4 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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88 der Herr sagt: „Es kann Niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat." Sie möchten daher doch Gott recht ernstlich um Licht und Gnade bitten, daß er die Decke von ihren Hc^en nehme. Sie wurden sichtlich dadurch bewegt, aber wollten dessen ungeachtet Zeichen und Wunder sehen»; Von den jüdischen Lehrlingen, deren es in — eine große Anzahl giebt, erzählt unser Freund Folgendes: „Unter ihnen fanden die an sie vertheillen Traktate sehr freudigen Anklang. Nach dem Feierabend besuchten mich einige. Es waren recht scharmante junge Leute, die das Evangelium gern vernahmen. Es findet sich bei ihnen nicht die verstockte Abneigung gegen die Wahrheit, wie bei den handeltreibenden oder ausschließlich gelchrten Juden. ■ Ob nicht diese gerade in der Beobachtung äußerer Ceremonien ein Beschwichtigungsmittel ihres Gewissens suchen, und darin einen Freibrief für ihre im Handel vorkommende Unredlichkeit finden, während sie sich vor den Lehren des Christenthums, nach welchen das Gesetz.ins Herz geschrieben ist, fürchten?! Gerade diese Lehrlinge hörten sehr auftnerksam und begierig dem Worte vom Kreuze zu, ohne spitzfindige Einwendungen zu machen. Gebe der Herr, daß bei ihnen manches ausgestreute Korn Wurzel fasse!" Ja, gebe der Herr, daß dieser Wunsch unsers Freundes erfüllt werde. ' Auf seiner weitern Reise traf unser Frermd auch mit Juden zusammen, welche die alten abgedroschenen und größtenteils vergessenen vulgär-rationalistischen Ansichten festhielten, oder sich doch wenigstens nicht scheuten geltend zu machen, daß z. B. die Juden zur Zeit der Ebbe durchs rothe Meer gegangen seien, und die Propheten, als sehr kluge und gescheute Leute, aus den Zeitverhältniffen die Zukunft vorhersagten. Andere wieder waren ganz der Ansicht ergeben, die unter den neueren Juden allgemein verbreitet und in diesem Berichte schon öfters erwähnt worden ist, daß im A. T. gar kein persönlicher Messias verheißen, sondern darunter nur eine Zeitidee zu verstehen sei, wo dann alle positiven Religionen aufhören werden, und noch Andere beklagten sich darüber, daß sie der anderen Juden wegen fromm leben, das heißt die jüdischen Gebräuche äußerlich mitmachen müßten, was ihnen sehr lästig sei.