Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1851-01-01 · 3-4 (1851) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
3-4 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554626-2554629--01411-2557248
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 Jungfrau Maria und andere Heiligen mit großem Pompe herumtragen, und bei welchen Gelegenheiten kein Jude sein Haus verlassen darf. Ich nahm an beiden, sowohl an Herrn als an Frau Dobinsky den innigsten Antheil. Er ist LS und ste 24 Jahr alt, und sie sind bereits seit 9 Jahren verheirathet. Sie ist eine hübsche Frau mit schönem orientalischen Gefickte und schwarzen Augen, bescheiden in ihrem Betragen, fromm nach ihren Ansichten der Frömmigkeit, indem sie das: Z'enah ur'enah b'noth Zion" (Gehet heraus und schauet an, ihr Töchter Zions — Hohelied Salomos 3,11) und andere ähnliche Bücher bei sich führt. Am folgenden Tage besuchte mich die Frau wieder. Am 9. verbrachte Dobinsky einige Stunden bei seiner Frau, wo beide einer den andern von der Richtigkeit seines Glaubens zu überzeugen suchte, aber in Güte. Um 11 Uhr wurden beide vor den Rabbiner geladen. Dobinsky blieb fünf Stunden daselbst und bekannte nicht nur in Gegenwart des Rabbiners und 9 anderer Juden seinen Glauben an den Herrn Jesum, als seinen Messias, sondem bewies ihnen auch, daß wir arme Sünder sind und eines Mittlers bedürfen. Am 19. verbrachte er wieder zwei Stunden bei seiner Frau und fand ste geneigt auf Alles zu hören, was er ihr sagte. Er gab ihr einige Traktate und die Psalmen und Propheten in Jüdisch-Deutsch, und las und betete mit ihr. Denselben Tag verließ sie Straßburg, denn sie war durchaus nicht zufrieden mit den hiesigen Juden und wünschte in ihre fromme Heimath zurückzukehren, wo sie, wie sie sagte, ein Jahr warten wolle in der Hoffnung, daß sich ihr Mann wieder mit ihr vereinigen werde. Ich hoffe, daß das Wenige, was sie hier von dem wahren Christenthume sah und hörte, und die Bücher, die sie" mit sich nahm, sich als ein Segen für ihre Seele bewähren werden. Ich fand in ihr eine eifrige rabbinische Jüdin, die für Gott eifert, aber mit Unverstand. Dem Herrn sei Lob und Preis, daß er unserm theuren Bruder Gnade und Kraft verlieh, den Sieg zu erringen und standhaft in der Versuchung zu bleiben. Er erzählte mir viel von den wunderbaren Wegen des Herrn, auf denen er zu der seligmachenden Er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.