Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1851-01-01 · 1-2 (1851) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
1-2 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554626-2554628--01395-2557231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 hinzu, die Juden müßten allen Ernstes zu Gott beten und ihn bitten, daß er ihnen hierin Licht sende! Ich bestärkte ihn hierin und zeigte ihm, wie er hier recht deutlich sehe, daß der Glaube eine Gnade Gottes sei, und er solle nur recht ernst zu ihm flehen, so werde es an Seiner Gnade nicht fehlen. Der Jude aus B— wollte alle Prophezeiungen nur allegorisch verstanden wissen, vermochte aber ganz besonders bezüglich Daniel 9, 24 — 26 nicht anzugeben, worin die Allegorie liege. Er wurde unwillig und meinte, man wolle die Menschheit nur wieder zurück in die Finsterniß führen. Wozu hätte Christus, wenn er Gottes Sohn war, nöthig gehabt, sich kreuzigen zu lassen; wozu hätte Gott überhaupt erst alles dieses nöthig gehabt, er hätte es anders machen können. Ich führte ihm hierauf Jes. 45, 9 an. Den —. Heute kamen wieder einige Juden, die Bücher kaufen wollten. Ich gab ihnen Traktate und redete mit ihnen. Die Einwürfe gegen das Christenthum sind fast immer dieselben. Einer meinte, wenn die Christen die wahre Erkenntniß hätten, so müßten sie das Gesetz Moses halten; ich hielt ihm das 8. Kapitel des Hebräerbriefes entgegen. Er versuchte nun durch allerhand Spitzfindigkeiten das Wort Gottes zu entkräften. So griff er beispielsweise aus dem 11. Verse die Worte heraus: „Und soll nicht lehren Jemand seinen Nächsten, noch Jemand seinen Bruder, und sagen: Erkenne den Herrn." Hier, meinte er, würde ja gerade zu verboten, mit seinem Nebenmenschen von Gott zu sprechen, und somit dürfe auch ich als Christ mit ihm nicht von Gott und seinem Reiche sprechen. Nachdem ich ihm durch des Herrn Hülfe die Stelle, welche durch die darauf folgenden und vorhergehenden Worte vollkommen klar ist, erklärt und ihn zu dem Zugeständniß gebracht hatte, daß seine Erklärung eine sophistische sei, verwies ich ihn mit ernsten Worten diese Art, die Schrift zu verdrehen. Schließlich meinte er, wenn er nicht den rechten Glauben hätte, so würde er Gewissensbisse spüren; er erfreue sich aber des vollkommenen innern Friedens. Ich zeigte ihm, daß dies ein falscher Friede sei und sein Gewissen in ernster Stunde erwachen würde; die Erfahrung lehre ja, daß auch.das Gewissen des verstocktesten Mörders schlafe> sogar lange schlafe, aber doch einmal , wenn auch spät erwache.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.