Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 1-2 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554626-2554628--01392-2557228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Einwendungen, welche ich ihm durch des Herrn Hülfe auf Grund der heiligen Schrift widerlegte. Er machte ein eigenthümliches Manoeuvre; zuerst mit Bibelstellen streitend, leugnete er dann immer; sobald er sich widerlegt sah. Ich ermahnte ihn ernstlich, wenn es sich um die Seligkeit handele, doch ernster zu prüfen und sich fern von Sophisterei zu halten. Ich hatte ihm von dem „wahren Israeliten" den Theil über das Paffafest gegeben; er beklagte sich nun ' darüber, daß der Verfasser die Juden darin lächerlich mache. Nachdem ich ihm die Vorrede zum ganzen Werke vorgelesen, in der sich der Verfasser gegen diesen Vorwurf verwahrt, mußte er mir auch zugeben, daß die Anordnungen der Rabbinen an sich Lächerliches enthalten. Ein Jude, der hier zu den angesehendsten gehört, und mit meinen Verwandten befreundet ist, erkannte mich an den Gesichtszügen, und lud mich in seine Familie ein. Im Kreise derselben entwickelte er seine religiösen Ansichten, die ganz auf der modernen Philosophie bafiren und mit gewissen politischen Grundsätzen ganz zusammenfallen. Als höchstes Ziel der Menschheit stellt er den Zustand hin, in welchem jedes Gesetz, jede Regierung, jede sittliche Vorschrift unnöthig ist. Ich gab ihm dies zu; er mußte mir aber beistimmen, daß dies nur dann möglich sei, wenn alle Menschen höchst gut sein werden. Die Möglichkeit dieser Bedingung bestritt ich, da der natürliche Mensch durch Adams Fall untüchtig geworden sei, die höchste Vollkommenheit zu erreichen. Er glaubt, daß es durch rein moralische Bildung möglich sei, den Menschen zur höchsten Stufe der Vollkommenheit hcranzubilden. Dies widerlegte ich ihm durch die heilige Schrift, führte ihm die Früchte der sogenannten moralischen Bildung der Jetztzeit ohne die religiöse vor, und brachte ihn endlich, nachdem ich ihm auch an den kleinen Kindern die vorherrschend sündliche Neigung nachgewiesen hatte, durch des Herrn Hülfe zu dem Geständniß der Erbsünde. Die Zeit war vorgerückt zur Trennung, und da er im Begriff ist, eine längere Reise anzutreten, werde ich wohl nicht mehr Gelegenheit haben, mit ihm zu sprechen. Er wie seine Frau nahmen recht lebhaftes Interesse an der Unterhaltung und drückten ihr Bedauern aus , über diese Materien nicht