Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 1-2 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554626-2554628--01388-2557224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
31 Systeme mit der Zeit zerfällt, sondern ewig bleibt. Ich hatte ihm einige Stellen aus dem N. T. vorgelesen: er war begierig es kennen zu lernen, wies aber ein ihm angebotenes Eremplar zurück mit dem Vorgeben, er müsse, weil er bei der Gemeinde angeftellt sei, sich in Acht nehmen, er würde sich einmal eins holen. Von Traktaten nahm er nur einige mit, die er in der Tasche verbergen konnte, wird sie aber nach ihrer Durchsicht wiederbringen, damit sie nicht bei ihm vorgefunden werden. Auch er, der anfangs die menschliche Vemunst nicht hoch genug erheben konnte, war von der Wahrheit des göttlichen Wortes, besonders als ich ihm Röm. 1 vorlas, ergriffen und kleinlaut geworden. Den —. Ich wohnte der Prüfung'auf dem Gymnasium bei. Der Rabbiner eraminirte die jüdischen Schüler in der Religion. Aus der äußern Form ging hervor, daß die Schüler keine Kenntniß der Bibel hatten; (wie ich später erfahren, versäumen die Kinder meistentheils den Religionsunterricht) der Rabbiner trug mehr vor, als er fragteer setzte auseinander, daß Gott den Menschen gut erschaffen habe, erwähnte aber mit keiner Silbe des Sündensalls. Ein alter Jude, der neben mir saß, und den ich darauf aufmerksam machte, meinte, die Kürze der Zeit habe den Rabbiner von der Erwähnung der Erbsünde abgehalten; nach seiner Meinung hält der Rabbiner fest an der Bibel. Ich wußte hier nicht recht, was ich thun sollte, ob ich die mir gegenüber ausgesprochene Ansicht des Rabbiners ihm mittheilen sollte, oder nicht. Ich bat ihn, daß er die Vorträge des Rabbiners einer strengen Kritik unterwerfen möge. Mir sollte auch Schmach, Hohn und Spott zu Theil werden; aber ich danke dem Herrn, daß er auch dessen mich gewürdigt hat. Ein junger jüdischer Kaufmann mischte sich in ein Gespräch, welches ich mit einem andern Juden angeknüpft hatte und griff nach einigen hohlen Phrasen über meine Philosophie die Verbreiter des göttlichen - Worts in brutaler Weise an. Ich erwiderte ihm nur, daß diese Weise über ernste Gegenstände zu sprechen, eines Menschen, der einigermaßen auf Bildung Anspruch mache, unwürdig sei, und ging weg. - Auf der Straße redete mich ein junger Mann an, dem meine