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Dibre Emeth · 1851-01-01 · 1-2 (1851) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
1-2 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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19 giebt es hier noch eine Anzahl älterer Juden, die so recht eigentlich wie Schaafe ohne Hirten in der Irre einhergehen. Diese klammern sich an äußere Gebräuche an, um doch wenigstens Etwas zu besitzen, wodurch sie glauben, Gott wohlgefällig zu werden und ihm zu dienen. Das religiöse Leben der hiesigen Juden ist erschlafft, der Tempel wird wenig besucht und, wie mir ein Jude klagte, gemißbraucht, um Geschäfte abzuschließen. Sobald' während des Gottesdienstes der Rabbiner seinen Vortrag beginnt, verläßt ein großer Theil der Juden die Synagoge, angeblich weil der Rabbiner unklar spreche. Derselbe hat sich anfangs gegen die Neuerungen gesträubt, endlich aber doch dem immer lauter werdenden Drängen der Gemeinde nachgegeben; jetzt steht er an der Spitze des sogenannten Fortschritts. Die Ansichten des Rabbiners über die heilige Schrift als Offenbarung sind ganz vulgär rationalistisch. Hier möge nur ein Theil eines Vortrages von demselben Platz finden, welcher recht deutlich zeigt, wie er das Wort Gottes verdreht und die gröbsten Verstöße gegen die Logik macht. Ein christlicher Theologe, der ihn mit angehört hatte, konnte sich nicht genug über die Kühnheit des Rabbiners wundern. Er sagte fast wörtlich Folgendes: „Abraham gehorchte Gott, indem er seinen Sohn Isaak opfem, also ein Menschenopfer darbringen wollte. Er huldigte dadurch einem Wahne der Zeit, nach welchem wohl die Heiden ihre Götter durch Menschenopfer zu erfreuen gedachten. Dadurch aber, daß er sich anders besann und einsah, Menschenopfer sei nur Menschenwahn, und Isaak nun nicht opferte, wurde er Gott mehr gehorsam." Und diesem Rabbiner ist der Religions-Unterricht der Jugend anvertraut. Unter solchen Umständen darf es nicht befremden, wenn das wahre Judenthum hier immer mehr zerfällt. Doch nicht nur hier, sondem auch in' dem übrigen Oberschlesien, wo man sonst gewohnt war, fromme Juden zu finden, ist es nach dem Zeugniß nicht nur von Christen, sondern von Juden selbst, seit dem Jahre 1848 anders geworden. Und doch scheint gerade dadurch die Zeit näher gerückt zu werden, in der es dem Herrn gefallen wird, sich seines abgefallenen Volkes wieder zu erbarmen. _ Denn so wie der Herr oft den Einzelnen erst bis an den Rand des Abgrundes gehen 2*

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