Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 1-2 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 behauptete, man sie schlachten und ihr Blut trinken wolle. Des <mdM DlWs wurde ich aufdaS Polizei-Amt bestellt; Vas Mädchen hatte dort um Hülfe gefleht, und beruhigte sich erst, nachdem ich nachgewiesen hatte, daß wir kein Menschenblut trinken, verließ aber bald dm Dienst." Bor einigen Jahren wurde ein jüdischer Banquier, der bald nach dem in Rede stehenden Vorfall nach Breslau zog und dort sehr bekannt ist, kurz vor Ostern sehr bedrängt. Man vermißte angeblich Kinder und legte dem Manne zur Last, daß er sie versteckt halte, um sie zu schlachten und ihr Blut am Passafest zu trinken. Es sammelten sich Menschen-Maffen vor seiner Thür, und forderten die Kinder. Endlich erschien die bewaffnete Macht, der Bürgermeister an der Spitze, und durchsuchte Haus und Kellerräume, natürlich ohne etwas zu finden, worauf sich das Volk verzog. — So erzählte mir ein Jude den Vorfall. - Was die religiösen Verhältnisse der Juden in Ratibor anlangt, so läßt sich die Gemeinde in 3 Klassen eintheilen, in solche, welche den Ramm Orthodore beanspruchen, obgleich sie, streng genommen, ihn nicht verdienen; in Reform-Juden, und endlich in solche, die an gar Nichts glauben. Die orthodoxe Partei zählt höchstens 10 Familien, von denen rin großer Theil nur insofern rechtgläubig ist, als er gegen die' Neuerungen Opposition macht, gleichwohl aber nicht verschmäht, am Sabbath Geschäfte zu machen, und das Gesetz nur soweit hält, als es ihm bequem ist. Zu den Reform-Juden, die sich zwar äußerlich noch nicht constituirt haben, doch aber den Anschluß an die Berliner Gemeinde des Dr. Stern sehnlichst herbei wünschen, gehört der überwiegend größere Theil der hiesigen Juden. Mit dem Talmud haben sie leider auch das Wort Gottes verworfen, das heißt, sie entnehmen der Bibel, was ihnen wahr scheint, was ihnen aber unbequem ist und mit ihrer unerleuchteten Vernunft nicht übereinzustimmen dünkt, das halten sie für Menschenwerk und verwerfen es als solches. Die dritte Klasse, zu welcher fast alle jungen Leute, 60 bis 80, (inclusive der altern Gymnasiasten) gehören, glaubt an gar Nichts, und huldigt dem verderblichsten Materialismus. Außerdem