Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1851-01-01 · 1-2 (1851) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
7 (1851)
Issue
1-2 (1851)
Date
1851-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554626-2554628--01383-2557219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 Wochenmarktes flüchtete ich mich, in der Voraussetzung, daß die Juden heute sehr beschäftigt sein würden, hinaus ins Freie. Doch auch hier sollte ich bald zu thun finden; ich machte die Bekanntschaft zweier jüdischen Gymnasiasten. Bei dem herrlichen Wetter, dem ersten Erwachen der Natur, in der Ferne die blauen Berge, konnte es nicht fehlen, daß wir bald auf den Schöpfer aller dieser Herrlichkeiten zu sprechen kamen. Die jungen Leute zeigten denselben Unglauben in göttlichen Dingen, wie er zu meiner Zeit auf dem Gymnasium gäng und gäbe war; nur hat die-neueste Zeit Viel da'zu beigetragen, daß die Feuerbachschen Theorien auf alle gesellschaftlichen Verhältnisse praktischen Einfluß gewonnen haben. Nachmittags besuchten mich beide; wir lasen einige Stellen aus dem Merkchen: „Vernunft und Glaube rc." von Rogers. Es interessirte sie, sie nahmen ein Exemplar mit und versprachen, es unter ihren Mtschülem coursiken zu lassen. Gott gebe, daß es manchen zur unvergänglichen Wahrheit leite! Ein Jude, der einige Schriften kaufte, gestand mir offenherzig, daß wenn er hin und wieder in Gesellschaften Schinkm gegessen habe, es doch sein Gewissen geängstigt habe, ob er dadurch nicht eine Sünde begehe. Wir kamen auf das Gesetz zu sprechen. Ich zeigte ihm, wie er als Jude dasselbe halten müsse, und welche Strafe Gott dem Uebertreter verkünde. Er war sichtlich ergriffen, als ich ihm das 27. Kapitel im 5. Buch Moses vorlas; demnächst aber Galater 3 vorhielt. Er sah ein, daß wir eines Mittlers bedürftig sind, aber obgleich ich ihm die Stellen in den Propheten vorhielt, welche einen Mittler und Heiland vorher verkündigen, und ihm nachwies, daß alle diese Prophezeihungen sich in Jesu von Nazareth erfüllt haben, wollte er diesen doch nicht als den Mittler anerkennen, da ja berühmte Männer, wie C. R. S., mit dem er darüber gesprochen, auch nicht an ihn glauben. Darauf erwiederte ich ihm, daß in Glaubenssachen nur die heilige Schrift, durch welche sich Gott den Menschen geoffenbaret, Autorität besitze. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.