Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 7 (1851)
- Issue
- 1-2 (1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 ihnen der hebräische Tert immer fremder wird. Im Laufe des Gesprächs fragte ich ihn um seine Meinung über den, dem jüdischen Volke verheißenen Messias, ob er ihn noch erwarte, oder ob er glaube, daß er schon gekommen sei? Er warf mir die Frage entgegen, wo im ganzen A. T. denn geschrieben stehe, daß ein Messias, und zwar ein persönlicher Messias , kommen solle? Ich führte ihm mehrere Stellen an aus dem Gesetz, den Psalmen und Propheten. Die Stelle 1. B. Mos. 49,10 griff er heraus und konnte sich nicht genug wundern, wie man hier eine Weiffagüng auf den Messias finden könne. Schiloh (von Luther „der Held" übersetzt) sei gar keine Person, es sei das Thal, wo Josua die Stiftshütte auftichten sollte, und dies sei erfüllt worden. Meine Entgegnung, daß es gezwungen sei, den Relativsatz: „dem werden die Völker anhangen," auf das Thal Siloh zu beziehen, suchte er dadurch zu beseitigen, daß dieser Satz sich auf Juda beziehe, und unter den Völkern nur die andern Stämme Israels zu verstehen seien.*) Die ganze Mesfiasidee habe sich nur durch falsche Uebersetzung eingeschlichen. Ich machte ihm bemerklich, daß viele gelehrte Juden (ich nannte ihm unter andern Onkolos und Jonathan) Schiloh für den Messias genommen. Ich kann mich allerdings mit Ihnen bezüglich der hebräischen Sprache in keinen Streit einlaffen, da ich des Hebräischen nicht mächtig bin; aber es wäre doch wunderbar, wenn sämmtliche Stellen, welche im A. T. auf einen Messias hindeuten, auf den eine Menge Juden gehofft haben und heute noch hoffen, falsch übersetzt worden wären, noch merkwürdiger aber, daß diese falsch übersetzten Prophezeiungen sich erfüllt haben. Wie würden Sie z. B. Daniel 9, 24—26 übersetzen? Die schenke ich Daniel, erwiederte er, es ist offenbar, daß er hier entweder zu viel gesagt hat oder daß etwas fehlt. Ich machte ihm hiergegen bemerklich, daß ja diese Stelle ge- *) Wenn dieser Erklärung nur nicht auch die Geschichte widerspräche! Als man nach Siloh gekommen war, und dort die Stistshütte aufrichtete, war der Stamm Juda gar noch nicht zur Herrschaft gelangt. Dies geschah erst viele Jahrhunderte nachher unter David, dann aber wurde die Stistshütte nach Jerusalem gebracht und an ihrer Statt bald der Tempel erbaut. Wenn dies doch die gelehrten Herrn Rabbiner bedenken mochten. Anm. d. R.