Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 6 (1850)
- Issue
- 4 (4.1850)
- Date
- 1850-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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53 in Erklärungen und Zusätzen zu diesem Werke, und die Sammlung dieser Erklärungen wird G'mara (Vollendung oder Ergänzung) genannt. Mit der Mischna, ihrem Texte, bildet sie die Talmude, von denen der Jerusalemsche Talmud der ältere ist, indem er gegen das Ende des dritten Jahrhunderts in Palästina vollendet wurde, während der Babylonische Talmud, der in den Schulen von Babylon und in Persien zusammengetragen wurde, erst gegen das Ende des Jahres 500 zu seiner Vollendung gelangte. In dieser neuen Gestalt, welche die Ueberlieferung jetzt angenommen hatte, wurde sie mehr als je zuvor die Decke, welche vor-Israel die einfache Meinung des Alten Testamentes verbirgt.- Von Anfang an wurde sie dem geschriebenen Worte Gottes gleich gestellt und sogar über dasselbe erhoben. Es fehlt nicht an Ausdrücken, welche in der bildlichen Sprache der Rabbinen diesen eingebildeten Vorzug anzeigen. „Die heilige Schrift," sagt ein rabbinisches Sprichwort, „kann mit frischem Wasser verglichen werden, aber die Mischna ist Wein und die G'mara geläuterter Wein." Auf diese Weise wurde die Religion der neuern Juden in ihrem wahren Wesen pharisäisch. Die Sadducäer verloren sich, wenigstens als eine besondere und zahlreiche Secte, bald nach, der Zerstörung Jerusalems. Den wenigen, die übrig blieben, und die, Karaiten, eine spätere Secte, welche die heilige Schrift allein als göttlich uvd in keiner Verbindung mit irgend einer mündlichen Erklärung stehend anerkennen, ist es niemals gelungendas System des Pharisäismus zu besiegen, welches sowohl von Juden als Christen als das alleinige Judenthum, das noch besteht, anerkannt worden? ist. Der Talmud wurde nach der Meinung der zerstreuten Juden ein so unzertrennlicher Theil ihrer Religion , wie in den Augen der römischen Katholiken die römische Kirche, und der Papst unzertrennlich vom christlichen Glauben sind. Romanismus und Rakbinismus sind in diesem, wie in vielen andern Stücken, sehr genau mit einander verbunden Dessen ungeachtet werden die Christen diese Talmude nicht ganz nutzlos und ihrer Beachtung unwerth finden. Als ein treues Bild des jüdischen Geistes in den ersten Jahrhunderten der