Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 11 (11.1849)
- Date
- 1849-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554598-2554610--01122-2556944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
186 b) Lasset uns nun zur Untersuchung der zweiten Behauptung schreiten. Sie lehrt: Alle unsre Werke seien nichts. Beweisen will man dieses aus den Worten Zes. 64, 5.: „Wie ein besudeltes Kleid ist alle unsre Gerechtigkeit." Diese vier Worte find aus dem Zusammenhänge herausgerissen, um als Beweis einer Grundlage des Christenthums zu dienen. Laßt euch aufmerksam machen, daß dies bei den meisten Stellen geschieht, welche zu Beweisführungen dienen sollen. Sie werden aus dem Zusammenhänge herausgerissen und nach Belieben bearbeitet. Mit der erwähnten Stelle ist dasselbe geschehen. Sie steht nach besagter Auslegung durchaus in keiner Verbindung mit den vorhergehenden und folgenden Versen. Nachdem der Prophet im vorhergehenden Kapitel schon eine Schilderung entwirft von der moralischen Höhe und Gottesnähe Israels in frühern Zeiten, diese Schilderung im Kapitel 64. fortsetzt, beklagt er nun bitter: Nun aber gleichen wir dem Unreinen und wie ein besudelt Kleid ist alle unsre Gerechtigkeit; fährt in Vers 6 also jammernd fort, wendet fich aber in Vers 7 wieder zum allbarmherzigen Vater, und flehet Vers 8 die Gnade des Herrn an, nicht zu sehr zu zürnen und nicht für immer der Sünde zu gedenken. — So wie wir täglich beten: Herr aller Welten! nicht auf unsre Gerechtigkeit gestützt legen wir nieder unser Flehen vor dir, sondern harzens ist böse von Zugend ans und Immerdar. 1. Mos. 6, 5. und Kap. 8, 2t. Und David spricht: Siche ich bin aus sündlichen Samen gezenget, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen. Ps. 5t, 7. Zst nun jeder Mensch von sündigen Menschen geboren, so wird er ebenfalls sündig sein. Was aber sündig ist, kann keinen freien Willen haben, die Sünde zu thnn oder nicht zu thun. Wie-die Wurzel, so der Baum, und wie der Baum, so die Frucht. Der Verfasser beweist überhaupt in dem ganzen Aufsatze, daß er gar keinen Begriff von der Sünde hat. In den angeführtm Stellen kann nur da« gesagt werden, daß der Mensch die ihm angebotene Gnade Gottes in der Schrift zurückweisen und verwerft« kann, aber keineswege«, daß er die Macht In fich selber habe, Gutes zu - thun. Das Gute und das Leben, das uns Moses vorlegt, ist aber der Weg, den «ns Gott in seinem Worte zur Seligkeit zeigt, und das Böse und der Tod ist da«, wenn die Menschen fich weigern, diesen Weg zu betteten, oder die Gnade Gotte« von fich stoßen.