Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 7 (7.1849)
- Date
- 1849-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554598-2554606--01047-2556865- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
115 kümmerniß: „Was sollen wir thun?" Zch beantwortete ihnen diese Frage damit, daß ich ihnen den Zweck des Gesetzes nebst all seinen vorbildlichen Opfern auseinandersetzte, und dann empfahl ich ihnen das Neue Testament zu lesen, welches das Geheimnißvolle im Gesetz Mofis und in den Propheten vollkommen enthüllt. Des Abends (es war der Abend vor dem Schluffe des Laubhütten-festes, wo die Juden gewöhnlich die ganze Nacht aufbleiben und beten und lesen) ging ich wieder in die Synagoge. Die Gemeinde, welche bereits versammelt war, hatte sich vor den Schrank, in dem die Gesetzrollen aufbewahrt werden, niedergelassen mit der Bibel in der Hand und langen Pfeifen im Munde. Ich tadelte sie wegen dieser unehrerbietigen Weise des Gottesdienstes und sogleich wurde mit der größten Eile jedes Rauchwerkzeug aus dem Bethause entfernt. Darauf bat mich Rabbi Samuel, daß ich eine Ansprache an die Versammlung halten möchte. Zch nahm diese unerwartete Erlaubniß mit Freuden an und sprach in Gegenwart von mehr als 200 Juden länger als zwei Stunden, indem ich ihnen den göttlichen Ursprung des Evangeliums darthat und nachwies, das Mittel zur Rechtfertigung eines Sünders erklärte und erläuterte und die kindischen, trügerischen und betrüglichen Hoffnungen zurückwies, mit welchen die Rabbiner im Gegensätze zur Wahrheit Gottes, ihre umnachteten Nachfolger belügen. Die Wirkung meines Bortrages wurde sichtbar an der Würde und dem Ernste auf ihren Gesichtern, und ein Blinder, aber ein ausgezeichneter Kenner der hebräischen Sprache dankte mir für das, was ich gesagt hatte, und bekannte vor der ganzen Versammlung, daß das, was ich gesprochen habe, vernünftig, überzeugend und in Uebereinstimmung mit der göttlichen Offenbarung sei. Gegen Mitternacht ging ich nach Hause und betete mit Gefühlen der größten Dankbarkeit zu dem Heilande, der bisher meine Predigt in diesem wilden Gebirge so sichtbar gesegnet hat. Am nächsten Morgen kam der Gouverneur zu mir und ohne mich zu grüßen und meinen Salaam (Gruß) zu erwiedern, fragte er barsch, was ich am vorigen Abende mit den Juden zu thun gehabt habe. Zn wenig Worten sagte ich ihm, was ich gepredigt hätte, was